Kinderschutz
3 Plaidoyers zu diesem Thema, mit konkreten, überprüfbaren Forderungen an die zuständigen Institutionen.
Entführte Kindheit: Wie der anglophone Konflikt in Kamerun Schulkinder zu Geiseln macht
Seit dem Ausbruch des anglophonen Konflikts in Kamerun 2016/2017 sind Schulen in den Regionen Nordwest und Südwest wiederholt Ziel gezielter Angriffe geworden. Human Rights Watch dokumentiert 268 Entführungen von Schülern und Bildungspersonal seit 2017, mit einem Anstieg von 78 Fällen im Jahr 2018 auf 170 im Jahr 2019. Über 70 Schulen wurden angegriffen, zwei Drittel aller Schulen in der Region sind geschlossen, 700.000 Kinder ohne Schulzugang. Neuere Berichte (GI-TOC/ACLED, 2024) verzeichnen 450 Lösegeld-Entführungen 2023 gegenüber 200 im Vorjahr — betreffend die gesamte Bevölkerung, nicht nur Kinder. Ein möglicher, aber nicht abschließend belegter Zusammenhang besteht zwischen sinkender Diaspora-Finanzierung bewaffneter Gruppen und der Zunahme von Erpressungsentführungen als Ersatzeinnahme. KAGEDEV ruft die Diaspora auf, keine bewaffneten Aktivitäten zu finanzieren, und fordert verstärkten diplomatischen Druck Deutschlands und der EU sowie Unterstützung des Entwaffnungsprogramms CNDDR.
Zentrale Forderungen
- Die kamerunische Regierung und alle bewaffneten Gruppen müssen Schulen, Schüler und Lehrpersonal als geschützte, tabuisierte Räume und Personen behandeln, im Einklang mit der Safe Schools Declaration.
- Die Bundesregierung und die Europäische Union sollen diplomatischen Druck auf alle Konfliktparteien ausüben, um einen echten, inklusiven Dialogprozess zur Beendigung des Konflikts in NO/SO zu ermöglichen.
Instrumentalisierte Kindheit: Kinder als Opfer und Werkzeuge von Boko Haram im Fernen Norden Kameruns
Seit 2009 ist Boko Haram in der Region Extrême-Nord Kameruns aktiv und hat Kinder wiederholt als Kindersoldaten, Zwangs-"Ehefrauen" oder Träger von Sprengstoff für Selbstmordanschläge missbraucht. Die am genauesten dokumentierten Zahlen — etwa 83 Kinder, davon 55 Mädchen, als "Kamikaze" eingesetzt zwischen Januar und Juli 2017 (US-Außenministerium), oder die Verzehnfachung entsprechender Fälle im Tschadseebecken zwischen 2014 und 2015 — stammen überwiegend aus der Zeit zwischen 2014 und 2019 und müssten dringend aktualisiert werden. Zusätzlich sind Früh- und Zwangsverheiratungen im Konfliktkontext dokumentiert. KAGEDEV macht auf diese weniger sichtbare Dimension der Situation kamerunischer Kinder aufmerksam und fordert anhaltende internationale, auch deutsche, Finanzierung von Kinderschutz- und Reintegrationsprogrammen im Tschadseebecken sowie eine Aktualisierung der Datenlage, ohne die aktuelle Situation vorschnell mit älteren Zahlen gleichzusetzen.
Zentrale Forderungen
- Deutschland und die Europäische Union sollen die Finanzierung von Kinderschutzprogrammen im Tschadseebecken, insbesondere für die Reintegration ehemals von Boko Haram instrumentalisierter Kinder, aufrechterhalten und nach Möglichkeit ausbauen.
- Aktualisierte, unabhängige Datenerhebungen zur aktuellen Situation von Kindern im Kontext von Boko Haram sollen international unterstützt werden, um die Wissenslücke seit den zuletzt verfügbaren detaillierten Daten (2014–2019) zu schließen.
Vertrauen missbraucht: Wie Kinder aus Kamerun in Zwangsarbeit und Ausbeutung geraten
Kinder aus wirtschaftlich benachteiligten Familien in Kamerun werden über vertraute Vermittler mit falschen Versprechungen von Ausbildung oder Arbeit in Städte oder ins Ausland gelockt und dort für häusliche Arbeit, Landwirtschaft, Bergbau oder sexuelle Ausbeutung missbraucht. Eine dokumentierte Route führt über den Golf von Guinea in die Elfenbeinküste zur Zwangsarbeit in der Kakaoproduktion. Über eine Million Binnenvertriebene in Kamerun tragen laut US-Außenministerium ein erhöhtes Risiko, Opfer von Menschenhandel zu werden. Für die kamerunische Diaspora in Deutschland ist das Thema direkt relevant, da unbegleitete minderjährige Asylsuchende aus Kamerun potenziell gefährdet sind. KAGEDEV fordert bessere Koordination zwischen BAMF, Jugendämtern und kamerunischen Behörden sowie verstärkte Präventionsarbeit und Sensibilisierung innerhalb der Diaspora gegenüber betrügerischen Vermittlern.
Zentrale Forderungen
- Die kamerunischen Behörden sollen die Aufklärung von Familien in wirtschaftlich benachteiligten Gebieten über die Methoden betrügerischer Vermittler verstärken.
- Eine bessere Koordination zwischen BAMF, den Jugendämtern und den kamerunischen Behörden soll die Identifizierung potenzieller Opfer von Menschenhandel unter unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden verbessern.
