KAGEDEV — Kamerunische Gemeinschaft in Deutschland e.V.
Unsere Positionen

Plaidoyer für konkrete Verbesserungen

Wir greifen Themen auf, die Menschen in Kamerun und in unserer Gemeinschaft unmittelbar betreffen. Unsere Positionen beruhen auf überprüfbaren Informationen, fachlicher Beratung und dem Austausch mit den Menschen, um die es geht.

  1. zuhören
  2. prüfen
  3. konkrete Forderungen formulieren
  4. den Dialog suchen
  5. Fortschritte dokumentieren

Filtern

43 von 43 Plaidoyers

BildungVeröffentlicht

Schulausfall in Nordwest und Südwest: Bildung darf keine Kriegsware sein

In Nordwest und Südwest ist Schule für viele Kinder kein verlässlicher Ort mehr. 2024 waren 41 Prozent der Schulen nicht funktionsfähig, über 246 000 Kinder waren im September 2023 betroffen. Allein 2024 zählte UNICEF 43 Angriffe auf Schulen, darunter gezielte Entführungen. Die Regierung hat mit dem PPRD-NOSO seit 2020 einen Wiederaufbauplan mit einem Budget von 2500 Milliarden FCFA. Bis Juli 2024 wurden davon 600 Milliarden mobilisiert und 22 Schulen für rund 7000 Lernende saniert. Das ist ein Anfang, aber das Tempo bleibt weit hinter dem Bedarf zurück. KAGEDEV fordert eine beschleunigte, transparente Umsetzung des PPRD-NOSO, verbindliche Schutzmechanismen für Schulen und eine echte Einbindung der betroffenen Familien in die Entscheidungen über den Wiederaufbau. Bildung darf in dieser Krise nicht zur Verhandlungsmasse werden.

Zentrale Forderungen

  • Der Premierminister, der den PPRD-NOSO beaufsichtigt, soll bis Ende 2027 einen öffentlichen, jährlich aktualisierten Umsetzungsbericht mit Zahlen zu sanierten Schulen und mobilisierten Mitteln vorlegen, damit Fortschritt überprüfbar wird.
  • MINEDUB und MINESEC sollen gemeinsam mit den Gouverneuren von Nordwest und Südwest bis Ende 2026 ein Schutzprotokoll für Schulen einführen, das Angriffe und Entführungen erfasst und öffentlich meldet, mit dem Ziel, die Zahl der Vorfälle messbar zu senken.
BildungVeröffentlicht

Schulabbruch von Mädchen in Nord, Extrême-Nord und Adamaoua: früh verheiratet, früh aus der Schule

In Nord, Extrême-Nord und Adamaoua verlassen viele Mädchen die Schule früh, oft im Zusammenhang mit Kinderehe oder früher Schwangerschaft. In Teilen der Region Nord haben laut UNICEF 35 Prozent der Kinder keinerlei Bildung erhalten. Landesweit sind 14 Prozent der 5-11-Jährigen nicht eingeschult, nur 41 Prozent der Fünfjährigen haben Zugang zur Vorschule. Ältere UNICEF-Daten aus 2016 zeigen, dass 13 Prozent der Mädchen vor 15 und 38 Prozent vor 18 verheiratet waren, eine Zahl, die dringend aktualisiert werden sollte. Es gibt Bildungsbudgets und einzelne Programme wie das von UNFPA in der Extrême-Nord, aber keine systematische, offizielle Konsultation der betroffenen Mädchen und Familien. KAGEDEV fordert konkrete, terminierte Schritte von MINEDUB, MINPROFF und MINJEC, damit Mädchen im Norden Kameruns ihre Schulzeit beenden können.

Zentrale Forderungen

  • MINEDUB soll bis Ende 2027, in Abstimmung mit MINPROFF, eine eigene Budgetlinie innerhalb des bestehenden Bildungshaushalts für den Verbleib von Mädchen in der Schule in Nord, Extrême-Nord und Adamaoua ausweisen, mit dem Ziel, den Anteil der Mädchen ohne Bildung in diesen Regionen messbar zu senken.
  • MINPROFF und MINJEC sollen bis Mitte 2027 gemeinsam mit traditionellen und religiösen Autoritäten einen regionalen Dialogmechanismus zu Kinderehe und Schulverbleib einrichten, der auf den bestehenden UNFPA-Erfahrungen aufbaut und in mindestens einer weiteren Region als der Extrême-Nord eingeführt wird.
JugendVeröffentlicht

Berufliche Eingliederung junger Hochschulabsolventen in Kamerun

In Kamerun sind junge Menschen mit Hochschulabschluss fünfmal häufiger arbeitslos als Menschen ohne Schulbildung, 14,8 Prozent gegenüber 3 Prozent. Dieser Wert steigt mit jedem Bildungsniveau an, ein Muster, das dem gewohnten Bild von Bildung als Weg zu Beschäftigung widerspricht. Weitere Indikatoren bestätigen die Größenordnung des Problems: eine Jugendarbeitslosigkeit von 8,1 Prozent, eine steigende NEET-Quote und ein informeller Sektor, der rund 90 Prozent der Arbeitsplätze stellt. Programme wie die des FNE haben über 27 Jahre mehr als 8.000 Hochschulabsolventen vermittelt, doch eine jährliche Erfolgsmessung fehlt bislang. KAGEDEV, die Kamerunische Gemeinschaft in Deutschland, richtet fünf konkrete Forderungen an MINEFOP, FNE, ONEFOP und MINJEC: jährliche statt kumulierte Statistiken, eine öffentliche Arbeitsmarktanalyse nach Fachrichtung und ein Begleitprogramm für Berufseinsteiger. Ziel ist nicht Kritik, sondern ein System, in dem ein Diplom wieder verlässlich zu Beschäftigung führt.

Zentrale Forderungen

  • MINEFOP soll bis Ende 2027 eine jährliche, öffentlich zugängliche Statistik zur Vermittlungsrate von Hochschulabsolventen einführen, aufgeschlüsselt nach Fachrichtung und Region, damit Fortschritt tatsächlich messbar wird.
  • FNE soll für Programme wie JEME eine jährliche statt eine kumulierte Berichterstattung einführen, mit konkreten Zielzahlen für vermittelte Hochschulabsolventen pro Jahr, überprüfbar durch einen unabhängigen Bericht.
JugendVeröffentlicht

Begleitung vertriebener Jugendlicher in der anglophonen Krise Kameruns

In den anglophonen Regionen Kameruns, Nordwest und Südwest, wachsen Kinder und Jugendliche seit Jahren unter den Bedingungen einer andauernden humanitären Krise auf. Über 1,8 Millionen Menschen haben laut UNICEF humanitären Bedarf, mehr als 584.000 sind Binnenvertriebene. Über 700.000 Schüler und Studierende haben keinen angemessenen Bildungszugang, 2024 waren 41 Prozent der Schulen in der Region nicht funktionsfähig (Zahlen aus Presseberichten, mit dem OCHA-Bildungscluster gegenzuprüfen). Für 2026 veranschlagt UNICEF 53,8 Millionen US-Dollar an humanitären Mitteln, um 1,4 Millionen Menschen zu erreichen, davon 1,1 Millionen Kinder. KAGEDEV, die Kamerunische Gemeinschaft in Deutschland, richtet fünf Forderungen an die nationale humanitäre Koordination, MINAS, MINEDUB, MINESEC und den Bildungscluster: terminierte Pläne zur Wiederherstellung von Schulen, ausgebaute psychosoziale Begleitung und eine strukturierte Einbeziehung der Jugendlichen selbst. Wir sprechen bewusst ohne Einzelschicksale und ohne Ortsangaben, aus Respekt vor der Sicherheit der Betroffenen.

Zentrale Forderungen

  • MINEDUB und MINESEC sollen bis 2027 gemeinsam mit dem Bildungscluster einen Plan vorlegen, der die Wiedereröffnung oder funktionale Wiederherstellung von Schulen in Nordwest und Südwest terminiert und öffentlich nachverfolgbar macht.
  • Die nationale humanitäre Koordination soll für den nächsten Berichtszeitraum eine öffentliche Zwischenbilanz zum Anteil funktionsfähiger Schulen vorlegen, mit dem Ziel, den aktuellen Wert von 41 Prozent nicht funktionsfähiger Schulen deutlich zu senken.
MobilitätVeröffentlicht

Urkundenüberprüfung: Wenn ein Diplom acht bis zwölf Monate braucht, um als echt zu gelten

Wer ein kamerunisches Diplom oder eine kamerunische Urkunde in Deutschland nutzen will, kann die Überprüfung nicht selbst beantragen. Nur eine deutsche Behörde kann den Antrag bei der Deutschen Botschaft Jaunde im Amtshilfeweg stellen. Die Bearbeitung dauert acht bis zwölf Monate, die Gebühren liegen je nach Fall bei 351 oder 610 Euro. Zum Vergleich dauert die Anerkennung einer beruflichen Qualifikation im beschleunigten Verfahren nur rund zwei Monate. Seit 2019 stellt die Botschaft zudem keine Diplombeglaubigungen mehr aus, zuständig ist seither die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen. Für Studierende mit knapper Einschreibefrist und Fachkräfte mit einem Jobangebot kann diese Wartezeit den Unterschied zwischen einer Chance und einem verlorenen Platz bedeuten. KAGEDEV fordert klare Information, kürzere Fristen für dringende Fälle und eine verlässliche Statistik zu Antragszahlen und Bearbeitungsdauer.

Zentrale Forderungen

  • Auswärtiges Amt/Botschaft Jaunde: durchschnittliche Bearbeitungsdauer + Fallzahlen + Ablehnungsquote öffentlich ausweisen binnen 12 Monaten.
  • Botschaft + Behörden: mehrsprachiges Merkblatt (Urkundenüberprüfung/ZAB/IHK-FOSA) binnen 6 Monaten.
MobilitätVeröffentlicht

Fachkräfteabwanderung: Wer geht, und was Deutschland und Kamerun dabei versäumen

2023 hat die Internationale Organisation für Migration rund 2.200 Kandidatinnen und Kandidaten aus Kamerun für reguläre Arbeitsmigration begleitet. In einer befragten Stichprobe waren 76 Prozent qualifizierte Arbeitskräfte, die gefragtesten Sektoren Bildung, Gesundheit und Informatik. 59 Prozent planen keine Rückkehr, 31 Prozent nennen bessere Arbeitsbedingungen als Hauptgrund. Deutschland sucht gleichzeitig aktiv Fachkräfte, besonders im Gesundheitswesen, wo ausländisch ausgebildetes Personal einen wachsenden Anteil stellt. Ein bilaterales Arbeitsmigrationsabkommen zwischen Kamerun und Deutschland gibt es bislang nicht. Kamerun arbeitet an einer nationalen Migrationspolitik, gemeinsam mit MINREX und der IOM, der Prozess ist aber noch nicht abgeschlossen. KAGEDEV fordert einen strukturierten bilateralen Rahmen, der Fachkräften faire Bedingungen sichert und Kamerun nicht allein mit dem Verlust an Ausbildungsinvestition zurücklässt.

Zentrale Forderungen

  • MINREX/Auswärtiges Amt: Sondierungsgespräche zu bilateralem Rahmen binnen 18 Monaten.
  • MINEFOP/MINSANTE + IOM: sektorale Erhebung zu betroffenen Berufsgruppen binnen 12 Monaten.
GesundheitVeröffentlicht

Müttersterblichkeit in Kamerun: Was die Zahlen uns sagen

In Kamerun sterben je nach Quelle zwischen 400 und 470 Frauen pro 100.000 Lebendgeburten an den Folgen von Schwangerschaft und Geburt. Das nationale Ziel für 2030 liegt bei 70. Verschiedene Erhebungen, EDS 2018, MICS5 und Countdown2030, liefern unterschiedliche Zahlen, was zeigt, wie wenig gesicherte Daten in diesem Bereich vorliegen. Im März 2025 startete die kamerunische Regierung gemeinsam mit Africa CDC eine neue nationale Strategie für die Gesundheit von Müttern, Neugeborenen und Kindern. Das Gesundheitsbudget 2025 liegt bei 297,2 Milliarden FCFA, eine eigene Linie für diese Strategie fehlt jedoch. KAGEDEV, die kamerunische Gemeinschaft in Deutschland, legt diese Daten offen und fordert eine geklärte Datenlage, eine sichtbare Finanzierung und einen öffentlichen Fortschrittsbericht. Es geht nicht um Vorwürfe, sondern darum, dass ein bestehendes Versprechen an Frauen und Familien in Kamerun eingehalten wird.

Zentrale Forderungen

  • Erstens: Das Gesundheitsministerium, über die Direction de la Santé Familiale, sollte bis Ende 2026 eine einzige, methodisch begründete nationale Referenzzahl zur Müttersterblichkeit veröffentlichen, gemeinsam mit UNFPA und der WHO-Region Afrika, und diese Zahl danach jährlich aktualisieren.
  • Zweitens: Für die RMNCAH-Nut-Strategie 2025-2030 sollte im Haushaltsgesetz 2027 eine eigene, gesondert ausgewiesene Budgetlinie eingerichtet werden, mit einem öffentlich einsehbaren Ausführungsbericht, der zeigt, wie viel Geld tatsächlich abgeflossen ist.
GesundheitVeröffentlicht

Malaria bei Kindern unter fünf Jahren in Kamerun: Eine Finanzierungslücke, die Leben kostet

Malaria bleibt in Kamerun eine erhebliche Gesundheitsgefahr für Kinder unter fünf Jahren. 2023 wurden über 1.700 Todesfälle und rund drei Millionen erfasste Fälle gezählt, mit regionaler Parasitenprävalenz von bis zu 49,1 Prozent im Centre. Der sechste nationale Strategieplan gegen Malaria (PSNLP) 2024-2028 will die Sterblichkeit um 75 Prozent senken, doch von 336,95 Milliarden FCFA Finanzierungsbedarf fehlten im April 2024 noch 186 Milliarden FCFA. Hinzu kommt ein erwarteter Rückgang der Mittel des Globalen Fonds ab 2027 und der Rückzug von USAID. KAGEDEV, die kamerunische Gemeinschaft in Deutschland, legt diese Zahlen offen und fordert eine transparente Finanzierungsplanung, einen wachsenden nationalen Eigenanteil und gezielte Maßnahmen in den am stärksten betroffenen Regionen. Ein gutes Ziel braucht eine passende Finanzierung, sonst bleibt es ein Versprechen.

Zentrale Forderungen

  • Erstens: Das Gesundheitsministerium und der PNLP sollten bis Ende 2026 einen öffentlichen, aktualisierten Finanzierungsstatus des PSNLP 2024-2028 vorlegen, mit einer klaren Angabe, wie die verbleibende Lücke von 186 Milliarden FCFA geschlossen werden soll.
  • Zweitens: Der kamerunische Staat sollte im Haushaltsgesetz 2027 einen höheren nationalen Eigenanteil an der Malariabekämpfung festlegen, um die Abhängigkeit von schwankenden externen Beiträgen wie dem Globalen Fonds zu verringern, mit einem konkreten Prozentsatz als Zielwert.
GleichberechtigungVeröffentlicht

Wenn mehr als die Hälfte der Frauen Gewalt erlebt hat, braucht Kamerun ein Gesetz, das sie schützt

In Kamerun haben 54,6% der Frauen ab 15 Jahren eine Form von Gewalt erlebt, verglichen mit 9,8% der Männer, so die Analyse situationnelle von MINPROFF aus August 2025. 52,6% der Frauen haben eheliche Gewalt erlebt. Die Erhebung EDS-C-V von 2018 bestätigt diesen Trend mit 13% sexueller Gewalt über die Lebenszeit. Bei weiblicher Genitalverstümmelung reicht die Bandbreite von 1,4% national bis zu 20% in bestimmten Regionen. Bislang gibt es in Kamerun kein eigenständiges Gesetz gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Ein von MINPROFF 2024 mit internationaler Unterstützung erarbeiteter Gesetzentwurf liegt seit 2024 weiterhin bei der Primatur (Stand 2026) und wurde dem Parlament noch nicht vorgelegt. KAGEDEV fordert, dass dieser Text innerhalb von sechs Monaten an die Nationalversammlung weitergeleitet wird, begleitet von einer eigenen Budgetlinie und einem jährlichen öffentlichen Fortschrittsbericht.

Zentrale Forderungen

  • Erstens: Die Primatur soll den Gesetzentwurf gegen geschlechtsspezifische Gewalt innerhalb von sechs Monaten an die Nationalversammlung weiterleiten. Indikator: Datum der offiziellen Übermittlung an das Parlament.
  • Zweitens: Die Nationalversammlung und der Senat sollen den Text innerhalb der laufenden Legislaturperiode beraten und darüber abstimmen. Indikator: Datum der Verabschiedung oder Ablehnung im Plenum.
GleichberechtigungVeröffentlicht

Eine Rechtslage, zwei Antworten: Kameruns Gesetze zur Kinderehe müssen übereinstimmen

In Kamerun waren nach Angaben von Girls Not Brides 38% der Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Nach INS/MINSANTE waren 2014 11,4% der Mädchen vor ihrem 15. Geburtstag verheiratet. Regionale Daten von 2011 zeigen deutliche Unterschiede: 60,1% im Norden, 58% im Extrême-Nord, 57,7% in Adamaoua. Die Rechtslage ist widersprüchlich: Eine Verordnung von 1981 legt das heiratsfähige Alter für Mädchen bei 15 Jahren fest, während ein Gesetz von 2016 die Ehe unter 18 Jahren verbietet und das Strafgesetzbuch Zwangsheirat unter 18 Jahren bestraft. Eine formelle Aufhebung der älteren Regelung ist nicht bestätigt. Der Nationale Aktionsplan gegen Kinderehe ist 2024 ausgelaufen, sein Erneuerungsstatus ist unklar. KAGEDEV fordert eine juristische Klärung dieses Widerspruchs und einen erneuerten, finanzierten Aktionsplan.

Zentrale Forderungen

  • Erstens: Das Justizministerium soll innerhalb von zwölf Monaten eine offizielle Klarstellung zum Verhältnis zwischen Artikel 52 der Verordnung von 1981 und dem Gesetz von 2016 veröffentlichen. Indikator: Veröffentlichung dieser Klarstellung.
  • Zweitens: MINPROFF soll gemeinsam mit dem Justizministerium innerhalb von achtzehn Monaten prüfen, ob Artikel 52 der Verordnung von 1981 formell aufgehoben werden muss, und das Ergebnis öffentlich machen. Indikator: Vorliegen des Prüfergebnisses.
TeilhabeVeröffentlicht

Geburtenregistrierung: Der Weg zur Urkunde muss für alle gleich kurz sein

In Kamerun werden fast alle in Gesundheitseinrichtungen gemeldeten Geburten in Urkunden umgewandelt, 95,6 Prozent im Jahr 2018. Doch dieser hohe Wert verdeckt eine tiefe Kluft: In Städten liegt der Zugang zur Geburtsurkunde bei 80 Prozent, auf dem Land bei nur 47 Prozent. Regionen wie Osten, Süden und Adamaoua liegen mit 50 bis 60 Prozent weit hinter Nordwesten und Littoral mit 79 bis 83 Prozent zurück. Nach Schätzungen von UNICEF und PAREC besaßen über 1,6 Millionen eingeschulte Kinder 2022-2023 keine Geburtsurkunde, wobei diese Zahl methodisch nicht unabhängig geprüft ist. Ohne Urkunde bleiben Schulbesuch, Ausweis und Rechtsschutz eines Kindes ungesichert. Das Gesetz 2024/016 vom Dezember 2024 sieht Digitalisierung und Vereinfachung vor. KAGEDEV fordert, dass diese Reform konsequent bis in die am wenigsten versorgten Regionen und zu den am schwersten erreichbaren Familien getragen wird.

Zentrale Forderungen

  • BUNEC: mobile Erfassungseinheiten in Osten, Süden, Adamaoua binnen 18 Monaten, jährliche Berichtspflicht an MINATD.
  • MINSANTE: Erweiterung DHIS2 um außerklinische Geburten binnen 24 Monaten (mit BUNEC/INS).
TeilhabeVeröffentlicht

Inklusion von Menschen mit Behinderungen: Ein Gesetz allein füllt keine Lücke

In Kamerun leben nach Schätzungen des African Disability Rights Yearbook 5,4 Prozent der Bevölkerung, mehr als eine Million Menschen, mit einer Behinderung. Diese Zahl ist eine Größenordnung, kein exakter Wert, und selbst die Regierung räumt laut VOA Afrique Aktualisierungsbedarf ein. Das Schutzgesetz 2010/002 wartete acht Jahre auf sein Durchführungsdekret, das erst 2018 erschien. Kamerun ist Vertragsstaat der UN-Behindertenrechtskonvention. Für die Jahre 2020 bis 2026 fehlen aktuelle Daten zu Beschäftigung, Bildung und angepasster Infrastruktur für Menschen mit Behinderungen vollständig. Seit Oktober 2024 arbeitet ein UN-Projekt mit UNESCO, OHCHR und UNFPA an der Seite von MINAS. ANOPHAC, ein Netzwerk von 78 Mitgliedsverbänden und sieben verbündeten Verbänden, vertritt die Betroffenen selbst. KAGEDEV fordert, diese Datenlücke zu schließen und ANOPHAC als ständigen Gesprächspartner in die Umsetzung einzubinden.

Zentrale Forderungen

  • MINAS/INS: aktuelle Erhebung zu Beschäftigung/Bildung/Infrastruktur binnen 18 Monaten, mit ANOPHAC-Beteiligung.
  • MINAS: ANOPHAC als ständiger Gesprächspartner, erstes Treffen binnen 12 Monaten.
KlimaVeröffentlicht

Wüstenbildung und agropastorale Verwundbarkeit im Extrême-Nord

Im Extrême-Nord Kameruns schrumpfen Wasserflächen und fruchtbare Böden gleichzeitig. Der Tschadsee soll nach Schätzungen rund 90 Prozent seiner Fläche in 30 Jahren verloren haben, eine Zahl, die noch mit der Tschadseebecken-Kommission abgeglichen werden sollte. Rund 12 Millionen Hektar Land gelten als degradiert, und die vergangene Regensaison brachte ein Niederschlagsdefizit von schätzungsweise 10 bis 20 Prozent. Seit 2017 beteiligt sich Kamerun an der Grande Muraille Verte, doch nach 15 Jahren wurde erst rund 4 Prozent des panafrikanischen Ziels erreicht. Bauern, Viehzüchter und Fischerfamilien tragen die Folgen im Alltag. Wir fordern von MINEPDED, MINADER, MINEPIA und dem Gouverneur des Extrême-Nord eine verlässlichere Datengrundlage, konkrete Fortschrittsberichte und eine echte regionale Konsultation, damit bestehende Programme schneller wirken.

Zentrale Forderungen

  • MINEPDED/ONACC: öffentliche Fortschrittsbilanz Grande Muraille Verte für Kamerun binnen 18 Monaten, mit Hektar-Zahlen Extrême-Nord.
  • MINADER/MINEPIA: gemeinsames Programm angepasster Anbau-/Weidetechniken binnen 24 Monaten, Pilotprojekte in 3 Departements.
KlimaVeröffentlicht

Städtische Überschwemmungen und Klimarisiken in Douala

Douala kämpft seit Jahren mit wiederkehrenden Überschwemmungen. Schätzungen zufolge gelten rund 48 Prozent der Stadtfläche als gefährdet. Für den Zeitraum 2019 bis 2024 werden über 311 000 Betroffene, 121 Tote und rund 50 000 Hektar zerstörter Anbaufläche berichtet, Zahlen, die noch mit einer anerkannten Primärquelle bestätigt werden sollten. Die Stadtgemeinschaft CUD baut in einer zweiten Programmphase 47 Kilometer Drainagekanäle, finanziert von der AFD, während ein Weltbank-Projekt mit MINHDU im Umfang von 200 Millionen US-Dollar Straßen und Hauptdrainagen vorsieht. Diese Investitionen sind real, doch eine öffentliche lokale Konsultation der betroffenen Viertel ist bislang nicht dokumentiert. Wir fordern von der CUD, MINHDU und dem Zivilschutz öffentliche Fortschrittsberichte, ein Frühwarnsystem und einen echten Platz für die Bevölkerung in der Planung.

Zentrale Forderungen

  • CUD: öffentlicher Fortschrittsbericht Drainage-Phase 2 binnen 18 Monaten, mit AFD-Finanzierungsbetrag.
  • MINHDU/Weltbank: öffentliche lokale Konsultation PVGFD in mind. 3 Vierteln binnen 24 Monaten.
EntwicklungszusammenarbeitVeröffentlicht

Diaspora und Ko-Entwicklung: Das MEG-Programm braucht kamerunische Zahlen

Deutschland hat Kamerun seit Mai 2023 rund 66 Millionen Euro an neuen Projektzusagen gemacht (59 Mio€ im Mai 2023, davon 20 Mio€ Finanzielle und 39 Mio€ Technische Zusammenarbeit, plus 6,6 Mio€ im Dezember 2023), zusätzlich zu einer separaten Schuldenumwandlung von 6 Millionen Euro. Parallel läuft seit Juni 2023 das Programm MEG, das kamerunische Diaspora-Expertise für Entwicklungsprojekte nutzbar machen soll: 116 Missionen wurden bereits unterstützt, mit 3817 direkten Begünstigten aus 25 dokumentierten Einsätzen. Was fehlt, ist die Verbindung beider Zahlenreihen. Niemand kann öffentlich nachvollziehen, welcher Teil der bilateralen Mittel dem MEG-Programm in Kamerun zufließt, nach welchen Kriterien Partnerorganisationen ausgewählt werden, oder wie ein Verein wie KAGEDEV sich beteiligen könnte. KAGEDEV fordert von BMZ, GIZ und MINEPAT mehr Transparenz zu Mitteln und Auswahlverfahren sowie einen strukturierten Austausch mit der kamerunischen Diaspora in Deutschland. Ziel ist nicht Kritik, sondern eine Zusammenarbeit, die auf echten Zahlen und echten Kontakten beruht.

Zentrale Forderungen

  • BMZ/GIZ: jährlich veröffentlichen, welcher Anteil der Kamerun-Zusagen dem MEG-Programm zugeordnet ist, ab Berichtsjahr 2025.
  • GIZ: öffentliche Übersicht MEG-Partnerorganisationen + Auswahlkriterien binnen 12 Monaten.
EntwicklungszusammenarbeitVeröffentlicht

Geldüberweisungen zwischen Deutschland und Kamerun: Was die Zahlen wirklich sagen

Kamerunerinnen und Kameruner in Deutschland überweisen jedes Jahr Geld an ihre Familien, Deutschland steht laut verfügbaren Zahlen für rund 10 Prozent der kamerunischen Geldeingänge aus dem Ausland im Jahr 2023. Wie hoch die Gesamtsumme aller Überweisungen nach Kamerun tatsächlich ist, wird jedoch unterschiedlich gemessen: Die Weltbank kommt für 2023 auf umgerechnet etwa 480 Milliarden FCFA, das kamerunische Statistikamt auf 723 Milliarden FCFA. Diese Differenz ist bislang nicht offiziell erklärt. Ebenso fehlt eine dokumentierte Angabe, wie teuer eine Überweisung konkret von Deutschland nach Kamerun ist, während für die Strecke Frankreich-Kamerun Zahlen vorliegen. KAGEDEV fordert von kamerunischen und internationalen Stellen eine Klärung dieser Zahlen sowie eine Kostentransparenz, die es Familien erlaubt, informierte Entscheidungen zu treffen. Es geht um verlässliche Daten zu einem Thema, das den Alltag vieler Familien direkt betrifft.

Zentrale Forderungen

  • INS/BEAC: direkte, öffentlich zugängliche Zahlungsbilanzdaten zu Remittances aus Deutschland veröffentlichen.
  • Weltbank + INS/BEAC: gemeinsame methodische Erklärung der Differenz binnen 12 Monaten.
Hilfe in NotlagenVeröffentlicht

Nordwest und Südwest: humanitäre Hilfe für 1,1 Millionen Menschen sichern

In den Regionen Nordwest und Südwest Kameruns benötigen laut OCHA 1,1 Millionen Menschen im Jahr 2026 humanitäre Unterstützung. Der zugehörige Nothilfeplan war zum August 2026 erst zu 26 Prozent finanziert, bei einem Gesamtbedarf von 268 Millionen US-Dollar landesweit. Speziell für Nordwest und Südwest zählte OCHA im Mai 2025 334.098 Binnenvertriebene; UNHCR erfasste zum 30. Juni 2025 landesweit 969.000 Binnenvertriebene und 699.500 Rückkehrer, wobei die beiden Regionen die Hauptbetroffenen sind. Ein Teil der Menschen aus Nordwest und Südwest hat in Nigeria Zuflucht gesucht. Parallel läuft seit 2020 ein staatliches Wiederaufbauprogramm, dessen tatsächlicher Umsetzungsstand nicht öffentlich nachvollziehbar ist. KAGEDEV, die kamerunische Gemeinschaft in Deutschland, fordert eine bessere Finanzierung der humanitären Hilfe, verlässliche regionale Daten und eine engere Verzahnung von Nothilfe und Wiederaufbau. Wir nehmen bewusst keine Position zur politischen Verantwortung für die Krise ein, unser Anliegen ist ausschließlich humanitär.

Zentrale Forderungen

  • Bundesregierung/EU: Beiträge zum Nothilfeplan 2026 erhöhen, Lücke von 80% verkleinern.
  • OCHA/UNHCR/kamerunische Behörden: regionalisierte NW/SO-Datenaufschlüsselung binnen 12 Monaten.
Hilfe in NotlagenVeröffentlicht

Ost, Adamaoua, Norden: Schutz und Perspektive für zentralafrikanische Flüchtlinge in Kamerun

Kamerun beherbergt nach UNHCR-Angaben zum 30. Juni 2026 insgesamt 412.521 Flüchtlinge, darunter rund 282.640 Menschen aus der Zentralafrikanischen Republik, die meisten davon in den Regionen Ost, Adamaoua und Norden, ein kleinerer Teil in Douala und Yaoundé. Gleichzeitig sind 2025 über 10.000 Menschen freiwillig in ihr Heimatland zurückgekehrt. Der Finanzbedarf der UNHCR-Operation in Kamerun für 2025 lag bei 134,4 Millionen US-Dollar und deckt mehrere Flüchtlingsgruppen ab. KAGEDEV, die kamerunische Gemeinschaft in Deutschland, fordert verlässliche Finanzierung für Gesundheit, Bildung und wirtschaftliche Einbindung in den Aufnahmeregionen sowie eine gut begleitete, freiwillige Rückkehr für diejenigen, die sich dafür entscheiden. Wir nehmen keine Position zu den Ursachen der Lage in der Zentralafrikanischen Republik ein, unser Anliegen ist rein humanitär und rechtlich begründet.

Zentrale Forderungen

  • UNHCR/kamerunische Behörden: konsolidierter öffentlicher Bericht zu Rückkehrern 2025 binnen 12 Monaten.
  • Deutschland/EU: Beiträge zur UNHCR-Operation erhöhen (Gesundheit/Bildung Ost/Adamaoua/Norden).
Interkultureller DialogVeröffentlicht

Anti-Schwarzer Rassismus und erlebte Diskriminierung

In Deutschland betrafen 2025 laut Antidiskriminierungsstelle des Bundes 43 Prozent aller 11.405 Beratungsanfragen rassistische Diskriminierung, ein Anstieg der Gesamtanfragen um 169 Prozent seit 2019. Das DeZIM-Institut zeigt in seiner NaDiRa-Studie, dass Schwarze Männer über vier Mal häufiger als weiße Männer von Diskriminierung durch die Polizei berichten, Schwarze Frauen fast siebenmal häufiger als weiße Frauen. Der Afrozensus 2020 hat erstmals Schwarze und afrikanische Menschen in Deutschland breit befragt, darunter auch Menschen mit kamerunischen Wurzeln — eine öffentlich zugängliche Auswertung nach Herkunftsland fehlt jedoch. KAGEDEV fordert, dass die zuständigen Institutionen diese Datenlücke schließen und die bestehende rechtliche Lücke zwischen dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz und Artikel 3 Grundgesetz für hoheitliches Handeln benennen. Die Forderungen richten sich an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die Beauftragte für Antirassismus, das DeZIM-Institut und EOTO e.V.

Zentrale Forderungen

  • ADS: Herkunftsaufschlüsselung im nächsten Jahresbericht prüfen/ergänzen.
  • DeZIM: methodische Prüfung einer Untergliederung der Kategorie "Schwarz" bei nächster NaDiRa-Welle.
Interkultureller DialogVeröffentlicht

Koloniales Gedächtnis und Restitution kamerunischer Kulturgüter

Mehr als 40.000 kamerunische Kulturgüter befinden sich, laut der akademischen Studie "Atlas der Abwesenheit" und bestätigt durch den Verein Dekolonial Erinnern, in öffentlichen deutschen Institutionen. Der institutionelle Rahmen hat sich in den letzten zwei Jahren entwickelt: ein regionales Dialogtreffen in Stuttgart im Januar 2024, ein Runder Tisch "Koloniale Aufarbeitung" des Auswärtigen Amts im November 2024, und im März 2026 die Gründung eines Koordinierungsrats für Restitution von Kulturgütern und menschlichen Überresten kolonialer Herkunft. Ein bundesweites verbindliches Gesetz existiert bislang nicht, nur gemeinsame Leitlinien von Bund, Ländern und Kommunen. Nach Angaben von Dekolonial Erinnern bleiben menschliche Überreste bislang ausdrücklich von den laufenden deutsch-kamerunischen Gesprächen ausgeschlossen, obwohl der Koordinierungsrat sie im eigenen Namen führt. KAGEDEV begleitet diesen Prozess konstruktiv und benennt diese Lücke gegenüber dem Auswärtigen Amt, der Kultusministerkonferenz und dem kamerunischen Restitutionskomitee.

Zentrale Forderungen

  • Koordinierungsrat: menschliche Überreste kamerunischer Herkunft ausdrücklich auf die Tagesordnung setzen (nächste Sitzung).
  • Auswärtiges Amt/KMK/Deutscher Museumsbund: institutionell verifizierte Bestandsübersicht kamerunischer Objekte binnen 24 Monaten.
KulturVeröffentlicht

Restitution kamerunischer Kulturgüter aus deutschen Museen

Rund 40.000 kamerunische Objekte lagern in deutschen Museen, die meisten unsichtbar im Depot. Das zeigt die Studie "Atlas der Abwesenheit" von 2023, die 45 deutsche Museen untersuchte, ohne Naturgeschichte, Archäologie oder Privatsammlungen einzubeziehen. Elf Museen, darunter Berlin, Leipzig, Stuttgart und Hamburg, stehen im aktiven Dialog mit kamerunischen Institutionen. Ein Treffen in Stuttgart wurde im Januar 2024 abgeschlossen. Doch der bekannteste Fall zeigt die Grenzen dieses Dialogs: Die Rückgabe der Ngonnso'-Statue wurde 2022 zugesagt, die Eigentumsübertragung war Anfang 2026 immer noch nicht vollzogen. Ein neuer bundesweiter Koordinierungsrat für koloniale Restitutionen wurde im März 2026 gegründet. KAGEDEV fordert, dass dieser Rat verbindliche Fristen setzt, kamerunische Institutionen mit fester Stimme beteiligt und die Diaspora in die Konsultationen einbezieht. Eine Zusage ohne Umsetzung ist keine Restitution.

Zentrale Forderungen

  • SPK: Ngonnso'-Übertragung binnen 12 Monaten formal abschließen (Übertragungsvertrag unter Koordinierungsrat).
  • Koordinierungsrat + 11 Museen: gemeinsamer terminierter Fahrplan binnen 6 Monaten nach Gründung.
KulturVeröffentlicht

Zugang kamerunischer Künstlerinnen und Forscherinnen zu Kulturvisa nach Deutschland

Im Januar 2022 lud eine Münchner Kulturinstitution ein Team kamerunischer Forschender ein, Flüge und Hotels waren gebucht. Die deutsche Botschaft in Jaunde lehnte die Visa dennoch ab, mit der Begründung mangelnder Rückkehrbereitschaft. Eine ältere Bundestagsauswertung nennt für Kamerun 2016 eine Ablehnungsquote von fast 37 Prozent, gegenüber einem weltweiten Durchschnitt von unter 7 Prozent. Wartezeiten von über sechs Monaten für einen Termin in Jaunde wurden ebenfalls gemeldet. Ein eigenes europäisches Kulturvisum gibt es nicht, jeder Antrag wird einzeln geprüft. Der Bundestag hat das Thema bereits durch eine Anfrage aufgegriffen, eine strukturelle Reform steht aber noch aus. KAGEDEV fordert eine Überprüfung der Ablehnungspraxis, kürzere Wartezeiten und ein beschleunigtes Verfahren für dokumentierte kulturelle Einladungen.

Zentrale Forderungen

  • AA/Botschaft Jaunde: Ablehnungspraxis "mangelnde Rückkehrbereitschaft" bei dokumentierten Kultureinladungen überprüfen binnen 12 Monaten.
  • AA: zusätzliche Terminkapazitäten Jaunde binnen 18 Monaten, Ziel <3 Monate Wartezeit.
KinderschutzVeröffentlicht

Entführte Kindheit: Wie der anglophone Konflikt in Kamerun Schulkinder zu Geiseln macht

Seit dem Ausbruch des anglophonen Konflikts in Kamerun 2016/2017 sind Schulen in den Regionen Nordwest und Südwest wiederholt Ziel gezielter Angriffe geworden. Human Rights Watch dokumentiert 268 Entführungen von Schülern und Bildungspersonal seit 2017, mit einem Anstieg von 78 Fällen im Jahr 2018 auf 170 im Jahr 2019. Über 70 Schulen wurden angegriffen, zwei Drittel aller Schulen in der Region sind geschlossen, 700.000 Kinder ohne Schulzugang. Neuere Berichte (GI-TOC/ACLED, 2024) verzeichnen 450 Lösegeld-Entführungen 2023 gegenüber 200 im Vorjahr — betreffend die gesamte Bevölkerung, nicht nur Kinder. Ein möglicher, aber nicht abschließend belegter Zusammenhang besteht zwischen sinkender Diaspora-Finanzierung bewaffneter Gruppen und der Zunahme von Erpressungsentführungen als Ersatzeinnahme. KAGEDEV ruft die Diaspora auf, keine bewaffneten Aktivitäten zu finanzieren, und fordert verstärkten diplomatischen Druck Deutschlands und der EU sowie Unterstützung des Entwaffnungsprogramms CNDDR.

Zentrale Forderungen

  • Die kamerunische Regierung und alle bewaffneten Gruppen müssen Schulen, Schüler und Lehrpersonal als geschützte, tabuisierte Räume und Personen behandeln, im Einklang mit der Safe Schools Declaration.
  • Die Bundesregierung und die Europäische Union sollen diplomatischen Druck auf alle Konfliktparteien ausüben, um einen echten, inklusiven Dialogprozess zur Beendigung des Konflikts in NO/SO zu ermöglichen.
KinderschutzVeröffentlicht

Instrumentalisierte Kindheit: Kinder als Opfer und Werkzeuge von Boko Haram im Fernen Norden Kameruns

Seit 2009 ist Boko Haram in der Region Extrême-Nord Kameruns aktiv und hat Kinder wiederholt als Kindersoldaten, Zwangs-"Ehefrauen" oder Träger von Sprengstoff für Selbstmordanschläge missbraucht. Die am genauesten dokumentierten Zahlen — etwa 83 Kinder, davon 55 Mädchen, als "Kamikaze" eingesetzt zwischen Januar und Juli 2017 (US-Außenministerium), oder die Verzehnfachung entsprechender Fälle im Tschadseebecken zwischen 2014 und 2015 — stammen überwiegend aus der Zeit zwischen 2014 und 2019 und müssten dringend aktualisiert werden. Zusätzlich sind Früh- und Zwangsverheiratungen im Konfliktkontext dokumentiert. KAGEDEV macht auf diese weniger sichtbare Dimension der Situation kamerunischer Kinder aufmerksam und fordert anhaltende internationale, auch deutsche, Finanzierung von Kinderschutz- und Reintegrationsprogrammen im Tschadseebecken sowie eine Aktualisierung der Datenlage, ohne die aktuelle Situation vorschnell mit älteren Zahlen gleichzusetzen.

Zentrale Forderungen

  • Deutschland und die Europäische Union sollen die Finanzierung von Kinderschutzprogrammen im Tschadseebecken, insbesondere für die Reintegration ehemals von Boko Haram instrumentalisierter Kinder, aufrechterhalten und nach Möglichkeit ausbauen.
  • Aktualisierte, unabhängige Datenerhebungen zur aktuellen Situation von Kindern im Kontext von Boko Haram sollen international unterstützt werden, um die Wissenslücke seit den zuletzt verfügbaren detaillierten Daten (2014–2019) zu schließen.
KinderschutzVeröffentlicht

Vertrauen missbraucht: Wie Kinder aus Kamerun in Zwangsarbeit und Ausbeutung geraten

Kinder aus wirtschaftlich benachteiligten Familien in Kamerun werden über vertraute Vermittler mit falschen Versprechungen von Ausbildung oder Arbeit in Städte oder ins Ausland gelockt und dort für häusliche Arbeit, Landwirtschaft, Bergbau oder sexuelle Ausbeutung missbraucht. Eine dokumentierte Route führt über den Golf von Guinea in die Elfenbeinküste zur Zwangsarbeit in der Kakaoproduktion. Über eine Million Binnenvertriebene in Kamerun tragen laut US-Außenministerium ein erhöhtes Risiko, Opfer von Menschenhandel zu werden. Für die kamerunische Diaspora in Deutschland ist das Thema direkt relevant, da unbegleitete minderjährige Asylsuchende aus Kamerun potenziell gefährdet sind. KAGEDEV fordert bessere Koordination zwischen BAMF, Jugendämtern und kamerunischen Behörden sowie verstärkte Präventionsarbeit und Sensibilisierung innerhalb der Diaspora gegenüber betrügerischen Vermittlern.

Zentrale Forderungen

  • Die kamerunischen Behörden sollen die Aufklärung von Familien in wirtschaftlich benachteiligten Gebieten über die Methoden betrügerischer Vermittler verstärken.
  • Eine bessere Koordination zwischen BAMF, den Jugendämtern und den kamerunischen Behörden soll die Identifizierung potenzieller Opfer von Menschenhandel unter unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden verbessern.
FeminizidVeröffentlicht

Tötungen von Frauen durch Partner: Kamerun braucht endlich ein Gesetz gegen häusliche Gewalt

In Kamerun sterben Jahr für Jahr Dutzende Frauen durch die Hand eines (Ex-)Partners — 57 im Jahr 2023, 67 im Jahr 2024, 77 im Jahr 2025, nach offiziellen Zahlen des Ministeriums MINPROFF. Human Rights Watch dokumentierte allein im Sommer 2026 33 weitere Tötungen innerhalb weniger Monate. Trotzdem kennt das kamerunische Strafrecht bis heute keinen eigenen Straftatbestand „Feminizid" und kein Gesetz gegen häusliche Gewalt. Ein 2022 angekündigtes Gesetzesvorhaben ist bis September 2026 nicht verabschiedet. Gleichzeitig fehlt ein landesweites System, um Fälle geschlechtsspezifischer Gewalt systematisch zu erfassen — die tatsächliche Zahl der Betroffenen dürfte deutlich höher liegen als die gemeldeten Fälle. KAGEDEV fordert die zügige Verabschiedung des Gesetzes, ein nationales Datensystem und die konsequente Erfüllung der internationalen Verpflichtungen Kameruns aus CEDAW und dem Protokoll von Maputo.

Zentrale Forderungen

  • Zügige Verabschiedung des seit 2024 vorliegenden Gesetzentwurfs gegen geschlechtsspezifische Gewalt durch die Nationalversammlung, einschließlich eines eigenständigen Straftatbestands, der das Geschlechtermotiv bei Tötungsdelikten an Frauen ausdrücklich erfasst.
  • Parallele Verabschiedung der angekündigten Reform des Familienrechts (Code de la famille).
FeminizidVeröffentlicht

Doppelt gefährdet: Frauen zwischen Konfliktgewalt und häuslicher Gewalt in Kameruns Krisenregionen

In den Konfliktregionen Nordwest, Südwest und im Extremen Norden Kameruns sind Frauen einer doppelten Gefährdung ausgesetzt: dem landesweiten Risiko häuslicher Gewalt und einer zusätzlichen, konfliktbedingten Bedrohung durch sexualisierte Gewalt, Zwangsheirat und Entführung. Mehrere unabhängige Quellen — Human Rights Watch, das Nkafu Policy Institute, humanitäre Organisationen wie UNHCR — dokumentieren übereinstimmend die Existenz dieser Gewaltformen, ohne dass für Kamerun landesweit konsolidierte, verlässliche Zahlen vorliegen. Diese Datenlücke ist selbst Teil des Problems: Ohne verlässliche Erfassung lassen sich weder Hilfsprogramme zielgerichtet planen noch Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen. KAGEDEV fordert unabhängiges Monitoring, sicheren Zugang zu Justiz und Versorgung für betroffene Frauen sowie klare Rechenschaftsmechanismen gegenüber allen Konfliktparteien.

Zentrale Forderungen

  • Unabhängiges Monitoring konfliktbezogener geschlechtsspezifischer Gewalt in Nordwest, Südwest und im Extremen Norden, das die bestehende Datenlücke systematisch schließt.
  • Sicherer, tatsächlich nutzbarer Zugang zu Justiz und zu gesundheitlicher sowie psychosozialer Versorgung für betroffene Frauen in diesen Regionen, unabhängig vom Vertreibungsstatus.
FeminizidVeröffentlicht

Deutschlands Beitrag gegen geschlechtsspezifische Gewalt in Kamerun: wichtig, aber ausbaufähig

Deutschland und die Europäische Union finanzieren gemeinsam mit UNFPA das Programm „Women éh, Wuna place dey!" gegen geschlechtsspezifische Gewalt in Kameruns Regionen Nordwest und Südwest — mit rund 3 Millionen Euro über vier Jahre, eingebettet in das PROSIG-Programm. Ziel sind unter anderem die Schulung von 10 000 Fachkräften, das Erreichen von über 355 000 Gemeinschaftsmitgliedern und ein integriertes Versorgungszentrum am Regionalkrankenhaus Bamenda. Der BMZ-Aktionsplan GAP III (2023-2027) verankert dieses Engagement als Priorität der deutschen feministischen Entwicklungspolitik. Doch das Fördervolumen bleibt im Verhältnis zum Bedarf bescheiden, und ein eigenständiger Schwerpunkt auf Feminizide fehlt. Anders als bei rein kamerunischen Themen kann die Diaspora in Deutschland hier direkt bei Bundestag, BMZ und GIZ ansetzen. KAGEDEV fordert mehr Mittel, mehr Transparenz und einen klaren Feminizid-Schwerpunkt.

Zentrale Forderungen

  • Prüfung einer Aufstockung der Mittel für Programme gegen geschlechtsspezifische Gewalt in Kamerun durch BMZ und EU, angesichts des im Verhältnis zum Bedarf begrenzten Volumens von rund 3 Millionen Euro über vier Jahre.
  • Einführung eines eigenständigen, klar benannten Schwerpunkts zu Feminiziden innerhalb der bestehenden und künftigen Programme, ergänzend zur allgemeinen Arbeit gegen geschlechtsspezifische Gewalt.
Sicherheit und KonfliktVeröffentlicht

Kamerun im Schatten der anglophonen Krise: Humanitäre Not in den Nord-West- und Süd-West-Regionen erfordert nachhaltige internationale Unterstützung

Seit 2017 erschüttert ein bewaffneter Konflikt die anglophonen Regionen Kameruns, Nord-West und Süd-West. Über 580.000 Menschen sind innerhalb Kameruns vertrieben, mehr als 76.000 weitere haben im Nachbarland Nigeria Zuflucht gesucht. Landesweit benötigen 2025 rund 3,3 Millionen Menschen humanitäre Hilfe, während über 2,5 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sind — ein Anstieg von 9% gegenüber 2023. Besonders alarmierend: Fast 15.000 Schulen bleiben in den betroffenen Regionen geschlossen, wodurch Millionen Kinder ihr Recht auf Bildung verlieren. Gleichzeitig sinkt die internationale Finanzierung dramatisch, da die USA ihren Beitrag von rund 50% auf unter 8% reduziert haben. Die Europäische Union wird damit zum wichtigsten humanitären Geber. KAGEDEV, die Kamerunische Gemeinschaft in Deutschland, ruft — ohne jede politische Positionierung — zu verstärktem humanitärem Engagement auf: Schutz der Zivilbevölkerung, gesicherter Zugang zu Hilfe und nachhaltige internationale Finanzierung.

Zentrale Forderungen

  • Aufrechterhaltung und Ausweitung der humanitären Finanzierung durch die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten, einschließlich Deutschland, um die durch den Rückzug anderer Geber entstandene Lücke zu schließen.
  • Uneingeschränkter humanitärer Zugang für internationale und lokale Hilfsorganisationen zu allen betroffenen Gebieten in Nord-West und Süd-West.
Sicherheit und KonfliktVeröffentlicht

Vergessene Krise im hohen Norden: Die humanitären Folgen des Boko Haram/ISWAP-Konflikts in Kamerun brauchen erneute Aufmerksamkeit

Seit über zehn Jahren ist die Region Extrême-Nord Kameruns von den Auswirkungen des Boko Haram/ISWAP-Aufstands betroffen. Die zuverlässigsten verfügbaren detaillierten Daten stammen aus dem Jahr 2022, als bereits über 385.000 Binnenvertriebene registriert wurden — eine Zahl, die seither jährlich um schätzungsweise 2% weiter angestiegen sein dürfte. Auch 2024 und 2025 belegen dokumentierte Vorfälle, darunter ein Angriff auf eine Militärbasis im März 2025 mit 12 getöteten Soldaten sowie mindestens 29 Angriffe auf Handelskonvois, dass die Krise fortbesteht. KAGEDEV weist ausdrücklich darauf hin, dass die Datenlage dringend aktualisiert werden müsste, um das tatsächliche humanitäre Ausmaß zu erfassen. Der Verein fordert, ohne jede Positionierung zu den beteiligten bewaffneten Gruppen, den Schutz der Zivilbevölkerung, die Sicherung der Handelswege und eine verlässliche internationale Unterstützung für die betroffenen Gemeinden im hohen Norden Kameruns.

Zentrale Forderungen

  • Aktualisierung der humanitären Datenerhebung für die Region Extrême-Nord durch OCHA, IOM und weitere zuständige Organisationen, um die Lage seit 2022 verlässlich abzubilden.
  • Schutz der Zivilbevölkerung vor Übergriffen durch bewaffnete Gruppen sowie Wahrung menschenrechtlicher Standards bei Sicherheitsoperationen.
Sicherheit und KonfliktVeröffentlicht

Sechs Jahre nach dem Grand Dialogue National: Warum ein wirklich inklusiver Dialogprozess in Kamerun noch aussteht

2019 rief Präsident Biya den Grand Dialogue National ins Leben, um einen Ausweg aus der anglophonen Krise zu finden. Mit über 1.000 Teilnehmenden war es der bislang größte Dialogversuch — doch die wichtigsten separatistischen Führungsfiguren boykottierten den Prozess, und eine neutrale externe Vermittlung fehlte. Zwar wurden ein Dezentralisierungsgesetz, ein Sonderstatus für die anglophonen Regionen und Regionalwahlen 2020 umgesetzt, doch der bewaffnete Konflikt hält bis heute an, mit anhaltend hoher humanitärer Not (siehe unser Plaidoyer zur anglophonen Krise). KAGEDEV analysiert diesen Prozess ausschließlich aus einer strukturellen Perspektive — Inklusivität, Vermittlung, Transparenz — und bezieht keine Position zu den politischen Streitfragen selbst. Der Verein fordert die Wiederaufnahme eines wirklich inklusiven Dialogs mit neutraler Vermittlungsinstanz und eine unabhängige Überprüfung der bisherigen Umsetzung.

Zentrale Forderungen

  • Wiederaufnahme eines inklusiven Dialogprozesses, der alle relevanten zivilgesellschaftlichen und politischen Akteure einbezieht — ohne dass sich KAGEDEV zur inhaltlichen Ausrichtung (Föderalismus, Sonderstatus, andere Modelle) positioniert.
  • Einbindung einer neutralen dritten Vermittlungsinstanz, um die Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit künftiger Dialoginitiativen zu stärken.
Extreme LebensbedingungenVeröffentlicht

Vergessene Vertreibung: Wie Kamerun Binnenvertriebenen eine Zukunft geben kann — und wie Deutschland dabei helfen sollte

Kamerun durchlebt gleichzeitig drei humanitäre Krisen: den anglophonen Konflikt im Nordwesten und Südwesten, die Auswirkungen des Konflikts um den Tschadsee im äußersten Norden und die Aufnahme zentralafrikanischer Geflüchteter im Osten. Nach Angaben von OCHA und IOM waren im August 2025 rund 969.000 Menschen im eigenen Land vertrieben, hinzu kommen etwa 791.000 Rückkehrer/innen und 426.000 Geflüchtete. Der humanitäre Gesamtbedarf für 2025 wird auf 3,3 bis 3,4 Millionen Menschen geschätzt. Viele Betroffene leben seit Jahren in provisorischen Verhältnissen, oft bei überlasteten Aufnahmefamilien. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit engagiert sich bereits konkret über ein GIZ/UNHCR-Programm zur sozioökonomischen Inklusion Vertriebener im Westen Kameruns. KAGEDEV, die kamerunische Gemeinschaft in Deutschland, fordert eine Verstärkung dieses Engagements sowie eine stärkere Berücksichtigung der Vertreibungsproblematik im deutsch-kamerunischen Dialog.

Zentrale Forderungen

  • Verstärkung der deutschen Finanzierung von Programmen zur sozioökonomischen Inklusion Binnenvertriebener in Kamerun, aufbauend auf dem bestehenden GIZ/UNHCR/MINDDEVEL-Programm.
  • Stärkere Berücksichtigung der Vertreibungsproblematik im politischen Dialog zwischen Deutschland und Kamerun, einschließlich der Frage nach sicheren und freiwilligen Rückkehrmöglichkeiten.
Extreme LebensbedingungenVeröffentlicht

Hunger im Schatten des Konflikts: Warum der äußerste Norden Kameruns mehr Unterstützung braucht

Der äußerste Norden Kameruns zählt zu den ärmsten Regionen des Landes und leidet zusätzlich unter den Folgen des Boko-Haram-Konflikts. Für 2025 wird von 2,6 Millionen Menschen mit akuter Ernährungsunsicherheit in ganz Kamerun ausgegangen, davon über 1,2 Millionen allein im äußersten Norden — ein Anstieg von 6% gegenüber dem Vorjahr. Schätzungen zufolge sind mehrere Hunderttausend Kinder von Mangelernährung betroffen, ein erheblicher Teil davon schwer. Gleichzeitig kürzt das Welternährungsprogramm aufgrund sinkender internationaler Finanzierung seine Hilfe. KAGEDEV, die kamerunische Gemeinschaft in Deutschland, fordert, dass Deutschland sein bestehendes Engagement für ländliche Entwicklung und Ernährungssicherheit in der Region aufrechterhält und verstärkt, um den Rückzug anderer Geber teilweise aufzufangen und eine Generation von Kindern zu schützen.

Zentrale Forderungen

  • Aufrechterhaltung und Verstärkung der deutschen Finanzierung für Ernährungssicherheit und ländliche Entwicklung im äußersten Norden Kameruns, um den Rückzug anderer Geber teilweise auszugleichen.
  • Gezielte Unterstützung von Programmen zur Behandlung und Prävention akuter und chronischer Mangelernährung bei Kindern unter fünf Jahren.
Extreme LebensbedingungenVeröffentlicht

Sauberes Wasser für alle: Die ländlichen Regionen Kameruns dürfen nicht zurückbleiben

In Kamerun bestehen erhebliche Unterschiede beim Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung zwischen Stadt und Land. Während 82% der Stadtbevölkerung Zugang zu sauberem Wasser haben, sind es auf dem Land nur 52%. Bei sanitärer Grundversorgung ist die Kluft mit 58% zu 22% noch größer. Am stärksten betroffen sind die Regionen Norden, äußerster Norden, Adamaoua, Nordwesten, Südwesten und Osten — dieselben Regionen, die zugleich von Vertreibung und Ernährungsunsicherheit betroffen sind. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit engagiert sich bereits konkret über das GIZ-Programm „Eau de bonne qualité, accessible à tous". KAGEDEV, die kamerunische Gemeinschaft in Deutschland, fordert den Ausbau dieses Programms sowie eine bessere Koordination mit den Dorfbrunnen-Projekten, die viele Diaspora-Familien bereits heute informell finanzieren.

Zentrale Forderungen

  • Ausbau des bestehenden GIZ-Programms „Eau de bonne qualité, accessible à tous" mit Priorität für die am stärksten unterversorgten ländlichen Regionen.
  • Gezielte Berücksichtigung der Regionen Norden, äußerster Norden, Adamaoua, Nordwesten, Südwesten und Osten, die zugleich von Vertreibung und Ernährungsunsicherheit betroffen sind.
Arbeitsmarkt und JugendVeröffentlicht

Unsichtbare Arbeit, unsichere Zukunft: Die massive Unterbeschäftigung und Informalität junger Menschen in Kamerun

Während die offizielle Arbeitslosenquote in Kamerun mit 8,7 % vergleichsweise niedrig erscheint, verbirgt sich dahinter eine tiefgreifende strukturelle Krise: Rund 70,6 % der erwerbstätigen Bevölkerung sind unterbeschäftigt, und 92,0 % der jungen Erwerbstätigen arbeiten informell — ohne Vertrag, ohne Sozialversicherung, ohne Perspektive. Für die junge Generation, die 57 % der aktiven Bevölkerung Kameruns stellt, ist dieser Zustand nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Informelle Arbeit bedeutet in der Praxis unregelmäßige Einkommen, keinen Schutz bei Krankheit oder Unfall und keinen Zugang zu Altersvorsorge. KAGEDEV fordert einen erleichterten Zugang zu freiwilliger Sozialversicherung, ein vereinfachtes Registrierungsverfahren für Kleinstunternehmen und eine stärkere Rolle der Diaspora als Mentoring- und Wissensressource für die schrittweise Formalisierung der Jugendbeschäftigung in Kamerun.

Zentrale Forderungen

  • Ausbau des Zugangs zu einer freiwilligen, niedrigschwelligen Sozialversicherung (CNPS) für informell Beschäftigte und Kleinstunternehmer, mit vereinfachten Beitragsmodalitäten.
  • Einführung eines einheitlichen, vereinfachten Registrierungsverfahrens ("registre unique") für informelle Kleinstunternehmen als erster Schritt zur schrittweisen Formalisierung.
Arbeitsmarkt und JugendVeröffentlicht

Ausbildung ohne Anschluss: Wie ein unterfinanziertes Berufsbildungssystem die Beschäftigungschancen junger Kamerunerinnen und Kameruner untergräbt

Berufsbildung und Lehre wirken: Eine aktuelle, begutachtete Studie zeigt, dass sie die Chancen junger Kamerunerinnen und Kameruner auf formelle Beschäftigung um 17,6 Prozentpunkte und auf informelle Beschäftigung um 24 Prozentpunkte erhöhen — und auch die Qualität der Beschäftigung deutlich verbessern. Doch das kamerunische System der technischen und beruflichen Bildung ist laut BIT/ILO chronisch unterfinanziert und schlecht auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes abgestimmt, ein Befund, der sich seit mindestens 2007 in der Fachliteratur wiederholt. Hier liegt eine der direktesten Verbindungen zur deutsch-kamerunischen Zusammenarbeit: Die GIZ ist bereits mit Berufsbildungsprogrammen in mehreren Regionen aktiv. KAGEDEV fordert eine deutliche Aufstockung der Finanzierung, eine engere Abstimmung mit Arbeitgebern und einen strukturierten Wissenstransfer zwischen der in Deutschland dual ausgebildeten Diaspora und dem kamerunischen Berufsbildungssystem.

Zentrale Forderungen

  • Deutliche Erhöhung der öffentlichen Finanzierung des kamerunischen Systems der technischen und beruflichen Bildung (ETP/TVET), einschließlich Ausstattung, Lehrkräftequalifikation und Infrastruktur.
  • Systematische Einbindung von Arbeitgebern und Handwerksverbänden in die Gestaltung der Ausbildungscurricula, um die Diskrepanz zwischen Qualifikationen und Marktbedarf zu verringern.
Arbeitsmarkt und JugendVeröffentlicht

Arbeit in der Krise: Wie bewaffnete Konflikte und wirtschaftliche Vernachlässigung die Jugendbeschäftigung in Kameruns Randregionen zerstören

Die kamerunische Regierung hat die Regionen Nordwest, Südwest und Extrême-Nord offiziell als "wirtschaftlich notleidend" eingestuft — eine Anerkennung des Ausmaßes, in dem bewaffnete Konflikte die lokale Wirtschaft und die Jugendbeschäftigung zerstört haben. Die Armutsraten liegen im Extrême-Nord bei 69,2 % und im Nordwesten bei 66,8 %, mit einem dramatischen Anstieg seit Beginn der anglophonen Krise 2017. Landesweit hat der Konflikt Exporte, Konsum und Investitionen spürbar gedrückt; mehr als 700.000 Menschen wurden vertrieben. Für junge Menschen in diesen Regionen bedeutet das oft den vollständigen Verlust wirtschaftlicher Perspektiven. Ein erheblicher Teil der kamerunischen Diaspora in Deutschland stammt aus genau diesen Regionen. KAGEDEV fordert eine stärkere Fokussierung bestehender Wiederaufbauprogramme wie PPRD-NOSO und der GIZ-Resilienzinitiativen auf die wirtschaftliche Wiedereingliederung junger Menschen.

Zentrale Forderungen

  • Verstärkte und gezielte Ausrichtung des Wiederaufbauprogramms PPRD-NOSO auf die wirtschaftliche Wiedereingliederung junger Menschen, einschließlich Beschäftigungs- und Ausbildungsprogrammen.
  • Ausweitung der bestehenden GIZ-Resilienzprogramme im Extrême-Nord, Nord und Adamaoua, mit einem expliziten Fokus auf Jugendbeschäftigung.
InfrastrukturVeröffentlicht

Wasser ist Leben: Für einen gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser im ländlichen Kamerun

Trotz erheblicher Wasserressourcen hat ein großer Teil der ländlichen Bevölkerung Kameruns keinen verlässlichen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Während der Zugang zu grundlegenden Wasserdiensten landesweit bei rund 71 % liegt, bleibt die Lücke zwischen städtischen und ländlichen Gebieten groß — die nationalen Ziele für 2030 (77 % Zugang im ländlichen Raum) sind noch weit entfernt. Die kamerunische Diaspora in Deutschland trägt bereits heute aktiv zur Lösung bei: Viele finanzieren über private Rücküberweisungen Brunnen und Wasserprojekte in ihren Herkunftsdörfern. Die Weltbank hat 2025 ein Wassersicherheitsprogramm mit 950 Millionen US-Dollar über elf Jahre gestartet. KAGEDEV e.V. fordert mehr Transparenz bei der Mittelverwendung, eine stärkere Priorisierung des ländlichen Raums und eine bessere Koordination zwischen privatem Diaspora-Engagement und öffentlichen Programmen — für einen gesicherten Zugang zu sauberem Wasser für alle Kamerunerinnen und Kameruner.

Zentrale Forderungen

  • Transparenz über die Verwendung der Mittel aus dem 950-Millionen-Dollar-Wassersicherheitsprogramm der Weltbank, mit öffentlich zugänglicher Berichterstattung über Fortschritte im ländlichen Raum
  • Priorisierung des ländlichen Raums in der nationalen Wasserstrategie, um die Zielvorgabe von 77 % Zugang bis 2030 realistisch zu erreichen
InfrastrukturVeröffentlicht

Licht ohne Unterbrechung: Für eine verlässliche Stromversorgung in Kamerun und mehr Transparenz bei der deutschen Beteiligung an Nachtigal

Trotz der schrittweisen Inbetriebnahme des Nachtigal-Staudamms — mit 420 MW das größte Wasserkraftwerk Kameruns, mitfinanziert durch die deutsche Entwicklungsbank KfW — leiden weite Teile der Bevölkerung weiterhin unter täglichen Stromausfällen von sechs bis acht Stunden, besonders in den Regionen Littoral und West. Der Verteilnetzbetreiber ENEO kämpft zudem mit einer Verschuldung von rund 800 Milliarden FCFA, was im November 2025 zur teilweisen Renationalisierung des Unternehmens führte. KAGEDEV e.V. sieht in der bestätigten KfW-Beteiligung an Nachtigal eine besondere Verantwortung Deutschlands, die tatsächliche Wirkung dieser Investition auf den Alltag der Menschen transparent zu machen. Wir fordern öffentliche Wirkungsberichte, begleitende Investitionen in das Verteilnetz und eine finanzielle Sanierung von ENEO, damit die zusätzliche Stromproduktion auch tatsächlich bei den Haushalten ankommt.

Zentrale Forderungen

  • Öffentliche Wirkungsberichte der KfW und ihrer Partner über die konkreten Auswirkungen von Nachtigal auf die Versorgungssicherheit der Endverbraucher, nicht nur auf die installierte Kapazität
  • Begleitende Investitionen in das Verteilnetz, damit die zusätzliche Nachtigal-Kapazität tatsächlich bei den Haushalten ankommt
InfrastrukturVeröffentlicht

Wege zur Entwicklung: Für ein verlässliches und gut instand gehaltenes Straßennetz in Kamerun

Von den insgesamt 121.873 km Straßennetz in Kamerun sind Ende 2024 lediglich 10.576 km asphaltiert — weniger als 9 % des Gesamtnetzes. Diese korrekte Zahl steht im Gegensatz zu einer weit verbreiteten, durch einen Faktencheck widerlegten Fehlinformation von angeblich über 15.000 km asphaltierten Straßen. Der nationale Straßenfonds erhält jährlich nur 50 bis 80 % des für die Instandhaltung notwendigen Budgets, was zu Zahlungsrückständen gegenüber ausführenden Unternehmen und einem schleichenden Verfall bestehender Straßen führt. Jährlich sterben rund 1.000 Menschen bei etwa 2.000 Verkehrsunfällen. Für die kamerunische Diaspora, die häufig in Immobilien oder Landwirtschaft in ihren Herkunftsregionen investieren möchte, ist die unzureichende Straßenanbindung ein konkretes praktisches Hindernis. KAGEDEV e.V. fordert eine Priorisierung der Instandhaltung, eine vollständige Finanzierung des Straßenfonds und eine gezielte Erschließung landwirtschaftlicher Produktionsgebiete.

Zentrale Forderungen

  • Priorisierung der Instandhaltung bestehender Straßen gegenüber rein symbolischen Neubauprojekten, um den bestehenden Bestand zu erhalten
  • Vollständige und pünktliche Finanzierung des nationalen Straßenfonds, um Zahlungsrückstände gegenüber kleinen und mittleren Bauunternehmen zu beenden
Soziale Gerechtigkeit und GesundheitVeröffentlicht

Wenn Krankheit in den Ruin führt: Warum Kameruns universelle Gesundheitsversicherung noch immer Theorie ist

In Kamerun tragen Haushalte den größten Teil ihrer Gesundheitskosten selbst — rund 70 % aller Gesundheitsausgaben werden direkt aus eigener Tasche bezahlt. Ohne ausreichenden Versicherungsschutz kann eine schwere Erkrankung eine Familie in kurzer Zeit in die Verschuldung oder Armut treiben. Schätzungen zufolge sind rund 15 % der kamerunischen Haushalte von sogenannten katastrophalen Gesundheitsausgaben betroffen. Die von der Regierung angekündigte allgemeine Krankenversicherung (Couverture Santé Universelle) soll dieses Problem lösen, doch ihre Umsetzung kommt nur langsam voran. Gleichzeitig bleibt das Gesundheitssystem stark von externer Finanzierung abhängig. Viele Mitglieder der kamerunischen Diaspora in Deutschland kennen dieses Problem aus erster Hand: Sie unterstützen Angehörige in Kamerun regelmäßig finanziell bei Behandlungskosten. KAGEDEV fordert, dass die deutsch-kamerunische Zusammenarbeit den Aufbau eines nachhaltigen Krankenversicherungssystems stärker in den Mittelpunkt rückt — als Ergänzung zur individuellen Solidarität der Diaspora.

Zentrale Forderungen

  • Die kamerunische Regierung soll einen verbindlichen, öffentlich einsehbaren Fahrplan mit messbaren Zwischenzielen für den Ausbau der CSU vorlegen, insbesondere für die Einbindung des informellen Sektors.
  • Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (GIZ, KfW) soll ihre Unterstützung des kamerunischen Gesundheitssystems stärker auf den Aufbau nachhaltiger Finanzierungsmechanismen und weniger auf punktuelle Nothilfe ausrichten.
Soziale Gerechtigkeit und GesundheitVeröffentlicht

Ärztemangel auf dem Land: Wie die ungleiche Verteilung des Gesundheitspersonals ganze Regionen Kameruns abhängt

Kamerun leidet an einem doppelten Problem in der Gesundheitsversorgung: einem allgemeinen Mangel an Ärztinnen und Ärzten (schätzungsweise zwischen 0,6 und 1,1 pro 10.000 Einwohner, je nach Quelle) und einer extrem ungleichen geografischen Verteilung des vorhandenen Personals. Während sich Ärztinnen und Ärzte in der Zentralregion um die Hauptstadt konzentrieren, bleiben Regionen wie Extrême-Nord strukturell unterversorgt. Presseberichten zufolge arbeiten zudem tausende kamerunische Ärztinnen und Ärzte im Ausland. Ein bedeutender Teil der kamerunischen Diaspora in Deutschland besteht aus genau diesen im Land ausgebildeten Fachkräften. KAGEDEV setzt sich dafür ein, dass Kamerun gezielte Anreize für eine gerechtere Verteilung schafft und dass Kooperationsformen wie Telemedizin oder befristete Rückkehr-Einsätze gefördert werden, um die Diaspora wieder mit dem Gesundheitssystem des Landes zu verbinden.

Zentrale Forderungen

  • Die kamerunische Regierung soll gezielte finanzielle und berufliche Anreize schaffen, um Gesundheitsfachkräfte in unterversorgte Regionen wie Extrême-Nord zu lenken.
  • Internationale Partner (WHO-AFRO, GIZ, BAD) sollen ihre Unterstützung stärker auf den Aufbau von Gesundheitsinfrastruktur in ländlichen und nördlichen Regionen ausrichten.
Soziale Gerechtigkeit und GesundheitVeröffentlicht

Zwischen Nord und Süd, Stadt und Land: Die tiefe Armutskluft in Kamerun und ihre vernachlässigten Regionen

Fast vier von zehn Menschen in Kamerun leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze — insgesamt rund zehn Millionen Menschen. Diese Armut verteilt sich jedoch höchst ungleich über das Land: In ländlichen Gebieten liegt die Armutsrate bei über 56 %, in Städten dagegen bei rund 22 %. Auch regional zeigt sich ein klares Muster: Die nördlichen und östlichen Regionen Kameruns gelten als besonders stark betroffen. Diese Zahlen stammen aus der jüngsten offiziellen Haushaltsbefragung des kamerunischen Statistikinstituts und gelten als verlässlich. Ein bedeutender Teil der kamerunischen Diaspora in Deutschland hat familiäre Wurzeln in genau diesen strukturell benachteiligten Regionen. KAGEDEV fordert, dass die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ihre Programme gezielter auf diese Gebiete ausrichtet, um die tiefe Nord-Süd- und Stadt-Land-Kluft in Kamerun nicht weiter zu vertiefen.

Zentrale Forderungen

  • Die kamerunische Regierung soll im Rahmen der SND30 eine regionsspezifische, transparente Erfolgskontrolle der Armutsbekämpfung einführen.
  • Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit soll ihre Programme zur ländlichen Entwicklung und Ernährungssicherheit gezielt auf die strukturell ärmsten Regionen (Extrême-Nord, Nord, Adamaoua, Nord-Ouest, Est) ausrichten.