KAGEDEV — Kamerunische Gemeinschaft in Deutschland e.V.
Plaidoyer

Arbeitsmarkt und Jugend

3 Plaidoyers zu diesem Thema, mit konkreten, überprüfbaren Forderungen an die zuständigen Institutionen.

Arbeitsmarkt und JugendVeröffentlicht

Unsichtbare Arbeit, unsichere Zukunft: Die massive Unterbeschäftigung und Informalität junger Menschen in Kamerun

Während die offizielle Arbeitslosenquote in Kamerun mit 8,7 % vergleichsweise niedrig erscheint, verbirgt sich dahinter eine tiefgreifende strukturelle Krise: Rund 70,6 % der erwerbstätigen Bevölkerung sind unterbeschäftigt, und 92,0 % der jungen Erwerbstätigen arbeiten informell — ohne Vertrag, ohne Sozialversicherung, ohne Perspektive. Für die junge Generation, die 57 % der aktiven Bevölkerung Kameruns stellt, ist dieser Zustand nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Informelle Arbeit bedeutet in der Praxis unregelmäßige Einkommen, keinen Schutz bei Krankheit oder Unfall und keinen Zugang zu Altersvorsorge. KAGEDEV fordert einen erleichterten Zugang zu freiwilliger Sozialversicherung, ein vereinfachtes Registrierungsverfahren für Kleinstunternehmen und eine stärkere Rolle der Diaspora als Mentoring- und Wissensressource für die schrittweise Formalisierung der Jugendbeschäftigung in Kamerun.

Zentrale Forderungen

  • Ausbau des Zugangs zu einer freiwilligen, niedrigschwelligen Sozialversicherung (CNPS) für informell Beschäftigte und Kleinstunternehmer, mit vereinfachten Beitragsmodalitäten.
  • Einführung eines einheitlichen, vereinfachten Registrierungsverfahrens ("registre unique") für informelle Kleinstunternehmen als erster Schritt zur schrittweisen Formalisierung.
Arbeitsmarkt und JugendVeröffentlicht

Ausbildung ohne Anschluss: Wie ein unterfinanziertes Berufsbildungssystem die Beschäftigungschancen junger Kamerunerinnen und Kameruner untergräbt

Berufsbildung und Lehre wirken: Eine aktuelle, begutachtete Studie zeigt, dass sie die Chancen junger Kamerunerinnen und Kameruner auf formelle Beschäftigung um 17,6 Prozentpunkte und auf informelle Beschäftigung um 24 Prozentpunkte erhöhen — und auch die Qualität der Beschäftigung deutlich verbessern. Doch das kamerunische System der technischen und beruflichen Bildung ist laut BIT/ILO chronisch unterfinanziert und schlecht auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes abgestimmt, ein Befund, der sich seit mindestens 2007 in der Fachliteratur wiederholt. Hier liegt eine der direktesten Verbindungen zur deutsch-kamerunischen Zusammenarbeit: Die GIZ ist bereits mit Berufsbildungsprogrammen in mehreren Regionen aktiv. KAGEDEV fordert eine deutliche Aufstockung der Finanzierung, eine engere Abstimmung mit Arbeitgebern und einen strukturierten Wissenstransfer zwischen der in Deutschland dual ausgebildeten Diaspora und dem kamerunischen Berufsbildungssystem.

Zentrale Forderungen

  • Deutliche Erhöhung der öffentlichen Finanzierung des kamerunischen Systems der technischen und beruflichen Bildung (ETP/TVET), einschließlich Ausstattung, Lehrkräftequalifikation und Infrastruktur.
  • Systematische Einbindung von Arbeitgebern und Handwerksverbänden in die Gestaltung der Ausbildungscurricula, um die Diskrepanz zwischen Qualifikationen und Marktbedarf zu verringern.
Arbeitsmarkt und JugendVeröffentlicht

Arbeit in der Krise: Wie bewaffnete Konflikte und wirtschaftliche Vernachlässigung die Jugendbeschäftigung in Kameruns Randregionen zerstören

Die kamerunische Regierung hat die Regionen Nordwest, Südwest und Extrême-Nord offiziell als "wirtschaftlich notleidend" eingestuft — eine Anerkennung des Ausmaßes, in dem bewaffnete Konflikte die lokale Wirtschaft und die Jugendbeschäftigung zerstört haben. Die Armutsraten liegen im Extrême-Nord bei 69,2 % und im Nordwesten bei 66,8 %, mit einem dramatischen Anstieg seit Beginn der anglophonen Krise 2017. Landesweit hat der Konflikt Exporte, Konsum und Investitionen spürbar gedrückt; mehr als 700.000 Menschen wurden vertrieben. Für junge Menschen in diesen Regionen bedeutet das oft den vollständigen Verlust wirtschaftlicher Perspektiven. Ein erheblicher Teil der kamerunischen Diaspora in Deutschland stammt aus genau diesen Regionen. KAGEDEV fordert eine stärkere Fokussierung bestehender Wiederaufbauprogramme wie PPRD-NOSO und der GIZ-Resilienzinitiativen auf die wirtschaftliche Wiedereingliederung junger Menschen.

Zentrale Forderungen

  • Verstärkte und gezielte Ausrichtung des Wiederaufbauprogramms PPRD-NOSO auf die wirtschaftliche Wiedereingliederung junger Menschen, einschließlich Beschäftigungs- und Ausbildungsprogrammen.
  • Ausweitung der bestehenden GIZ-Resilienzprogramme im Extrême-Nord, Nord und Adamaoua, mit einem expliziten Fokus auf Jugendbeschäftigung.