KAGEDEV — Kamerunische Gemeinschaft in Deutschland e.V.
Plaidoyer · GesundheitVeröffentlicht

Malaria bei Kindern unter fünf Jahren in Kamerun: Eine Finanzierungslücke, die Leben kostet

Malaria bleibt für Kinder unter fünf Jahren in Kamerun eine erhebliche Gesundheitsgefahr. 2023 wurden über 1.700 Todesfälle und rund drei Millionen erfasste Fälle gezählt. Der nationale Strategieplan 2024-2028 will die Sterblichkeit um 75 Prozent senken, doch von 336,95 Milliarden FCFA Finanzierungsbedarf fehlten im April 2024 noch 186 Milliarden FCFA. Diese Lücke muss geschlossen werden.

Kinder unter einem Moskitonetz zum Schutz vor Malaria, Distrikt Kribi, Kamerun

Kinder unter einem Moskitonetz zum Schutz vor Malaria, Distrikt Kribi, Kamerun (President's Malaria Initiative).

Foto: Danielle Burke / President's Malaria Initiative (PMI), gemeinfrei (U.S. Government Work)

Stand: 2026-09-13Als PDF herunterladen

Auf einen Blick

  • 2023 starben in Kamerun über 1.700 Kinder an Malaria, bei rund drei Millionen erfassten Fällen.
  • Die regionale Parasitenprävalenz erreicht im Centre bis zu 49,1 Prozent.
  • Der Strategieplan PSNLP 2024-2028 will die Sterblichkeit um 75 Prozent senken, doch 186 Milliarden FCFA Finanzierungsbedarf fehlen noch.
  • Der Globale Fonds kündigt für den nächsten Zyklus einen Rückgang von 29 Prozent an.
  • Ohne verlässliche Finanzierung bleibt ein ambitioniertes Ziel eine Absichtserklärung.

Zahlen im Überblick

über 1.700 Todesfälle bei Kindern unter 5 Jahren, 2023
rund 3 Mio erfasste Fälle, 2023
336,95 Mrd FCFA Finanzierungsbedarf PSNLP 2024-2028, davon 186 Mrd FCFA ungedeckt (Stand 04/2024)
Ziel: minus 75% Sterblichkeit bis 2028
Globaler Fonds: ~205 Mio€ erwarteter nächster Zyklus, weniger als 2024-2026 (Gesamtsumme dieses Zyklus nicht dokumentiert)

Worum geht es?

Malaria ist in Kamerun keine neue Krankheit und auch keine, über die wenig bekannt wäre. Sie gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Bedrohungen für kleine Kinder, gerade in den ersten fünf Lebensjahren, wenn das Immunsystem noch nicht ausgereift ist. Genau deshalb ist es umso schwerer zu akzeptieren, dass die Krankheit weiterhin so viele Kinderleben fordert, obwohl wirksame Vorbeugung, Diagnose und Behandlung seit langem bekannt sind. Das Problem liegt selten beim fehlenden Wissen. Es liegt bei der Finanzierung, der Verfügbarkeit von Mitteln vor Ort und der Kontinuität internationaler Unterstützung. Im April 2024 startete Kamerun seinen sechsten nationalen Strategieplan gegen Malaria, getragen vom Gesundheitsministerium und dem nationalen Malariabekämpfungsprogramm PNLP. Das Ziel ist ambitioniert und klar formuliert: die Sterblichkeit soll bis 2028 um 75 Prozent sinken. Ein solches Ziel ist erreichbar, wenn die dafür notwendigen Mittel auch tatsächlich fließen.

Wen betrifft es?

Am stärksten betroffen sind Kinder unter fünf Jahren, in bestimmten Regionen des Landes besonders ausgeprägt. Betroffen sind ihre Eltern und Familien, die mit der Angst vor jedem Fieberschub leben. Betroffen sind Gesundheitspersonal und lokale Kliniken, die Diagnosetests und Medikamente benötigen, oft in Regionen mit begrenzter Infrastruktur. Und betroffen ist letztlich das ganze Land, denn eine hohe Krankheitslast bei Kindern hat Folgen für Bildung, Familieneinkommen und langfristige Entwicklung. Für uns als kamerunische Gemeinschaft in Deutschland ist das kein abstraktes Thema, sondern eine Realität, die viele Familien im Land direkt betrifft.

Was zeigen die Daten?

Nach Angaben des kamerunischen Statistikinstituts INS lag die regionale Parasitenprävalenz 2023 im Centre (außerhalb von Yaoundé) bei 49,1 Prozent, im Süden bei 45,6 Prozent und im Osten bei 41,4 Prozent. Ein nationaler Gesamtwert wurde aus den verfügbaren Quellen nicht extrahiert, die regionalen Zahlen zeigen jedoch bereits ein erhebliches Ausmaß. Für 2023 meldet die Fachpresse (Santé Tropicale) mehr als 1.700 Todesfälle und rund drei Millionen erfasste Fälle; diese Zahlen sollten mit dem PNLP gegengeprüft werden. Der sechste nationale Strategieplan gegen Malaria (PSNLP) 2024-2028 wurde am 25. April 2024 gestartet, mit dem Ziel, die Sterblichkeit um 75 Prozent zu senken. Der geschätzte Finanzierungsbedarf für diesen Plan liegt bei 336,95 Milliarden FCFA. Mobilisiert waren im April 2024 lediglich 149,98 Milliarden FCFA, was eine Lücke von 186 Milliarden FCFA, also rund 55 Prozent des Bedarfs, offen lässt. Auf internationaler Ebene stellte der Globale Fonds für den Zyklus 2021-2023 101,2 Millionen Euro bereit. Für den nächsten Zyklus werden rund 205 Millionen Euro erwartet, nach Angaben von L'Initiative Expertise France weniger als im laufenden Zyklus 2024-2026, dessen genaue Gesamtsumme uns nicht vorliegt; die Umsetzung ist ab Januar 2027 vorgesehen. Hinzu kommt der Rückzug von USAID, für dessen Ausgleich rund 30 Milliarden FCFA für HIV und Malaria zusammen gesammelt wurden.

Warum besteht Handlungsbedarf?

Ein Ziel von minus 75 Prozent Sterblichkeit ist mit einer Finanzierungslücke von 55 Prozent kaum zu erreichen. Das ist keine Frage der Ambition, sondern der Arithmetik. Wenn mehr als die Hälfte der geplanten Mittel fehlt, fehlen zwangsläufig auch Moskitonetze, Schnelltests, Medikamente und geschultes Personal in den Regionen, die sie am meisten brauchen. Gleichzeitig verschärft sich die Lage international. Ein sinkender Beitrag des Globalen Fonds und der Rückzug von USAID bedeuten, dass Kamerun sich nicht darauf verlassen kann, dass die Lücke von außen automatisch gedeckt wird. Die 30 Milliarden FCFA, die als Ausgleich mobilisiert wurden, sind ein positives Zeichen, decken die Gesamtlücke aber nur zu einem kleinen Teil. Ohne eine klare Antwort auf die Finanzierungsfrage bleibt der Strategieplan 2024-2028 ein gutes Dokument mit einem unsicheren Ergebnis.

Was muss sich ändern?

  1. Erstens: Das Gesundheitsministerium und der PNLP sollten bis Ende 2026 einen öffentlichen, aktualisierten Finanzierungsstatus des PSNLP 2024-2028 vorlegen, mit einer klaren Angabe, wie die verbleibende Lücke von 186 Milliarden FCFA geschlossen werden soll.
  2. Zweitens: Der kamerunische Staat sollte im Haushaltsgesetz 2027 einen höheren nationalen Eigenanteil an der Malariabekämpfung festlegen, um die Abhängigkeit von schwankenden externen Beiträgen wie dem Globalen Fonds zu verringern, mit einem konkreten Prozentsatz als Zielwert.
  3. Drittens: Der Globale Fonds sollte gemeinsam mit dem PNLP vor der Umsetzung des Zyklus ab Januar 2027 eine Übergangslösung für den angekündigten geringeren Beitrag erarbeiten, damit Testkits und Medikamente in den betroffenen Regionen nicht ausgehen.
  4. Viertens: Das Gesundheitsministerium sollte in den drei am stärksten betroffenen Regionen, Centre, Süden und Osten, bis 2027 eine gezielte Aufstockung von Präventionsmaßnahmen für Kinder unter fünf Jahren durchführen, mit jährlicher öffentlicher Berichterstattung zur regionalen Parasitenprävalenz.

An wen richten sich unsere Forderungen?

Unsere Forderungen richten sich an das Gesundheitsministerium (MINSANTE), an das nationale Malariabekämpfungsprogramm PNLP unter der Leitung des Ständigen Sekretärs Dr. Joël Ateba, an den Globalen Fonds (GFATM) als wichtigsten internationalen Finanzierungspartner, an die WHO-Region Afrika als technische Referenzstelle, sowie an den kamerunischen Staat und das Parlament für die Frage des nationalen Haushaltsanteils.

Was kann kurzfristig geschehen?

In den kommenden 12 bis 24 Monaten kann der PNLP eine öffentliche Zwischenbilanz zur Mittelverwendung des PSNLP 2024-2028 vorlegen, mit einer klaren Aufschlüsselung nach Region. Parallel dazu kann ein Dialog mit dem Globalen Fonds über die Übergangsphase des nächsten Finanzierungszyklus begonnen werden, um Versorgungslücken ab 2027 zu vermeiden. Auch eine erste Ausweitung der Testkit- und Moskitonetzverteilung in den Regionen Centre, Süden und Osten ist in diesem Zeitraum realistisch, gestützt auf die bereits vorliegenden Prävalenzdaten.

Was ist langfristig nötig?

Langfristig braucht Kamerun eine Malariabekämpfung, die nicht mehr im gleichen Maß von einzelnen externen Gebern abhängt. Das bedeutet einen wachsenden nationalen Finanzierungsanteil, eine verlässliche lokale Produktion oder Beschaffung von Testkits und Medikamenten, und ein Überwachungssystem, das regionale Unterschiede in der Prävalenz frühzeitig erkennt und gezielt darauf reagiert. Das Ziel von minus 75 Prozent Sterblichkeit bis 2028 bleibt dabei die richtige Richtung, sofern die Finanzierung mitwächst.

Wie messen wir Fortschritt?

  • Erstens, die Kindersterblichkeit an Malaria, national und nach Region. Zweitens, der Anteil des PSNLP-Finanzierungsbedarfs, der tatsächlich mobilisiert und ausgegeben wird. Drittens, die regionale Parasitenprävalenz bei Kindern unter fünf Jahren, mit Schwerpunkt auf Centre, Süden und Osten. Viertens, die Verfügbarkeit von Schnelltests und Erstlinienmedikamenten in den Gesundheitseinrichtungen dieser Regionen. Fünftens, die tatsächliche Höhe der Beiträge des Globalen Fonds im Zyklus ab 2027 im Vergleich zur Ankündigung.

Unsere Haltung

KAGEDEV nimmt hier keine Partei gegen das Gesundheitsministerium, den PNLP oder internationale Geber ein. Wir stellen die verfügbaren Daten zusammen und zeigen, wo eine Lücke zwischen Zielsetzung und Finanzierung besteht. Uns ist wichtig, dass ein Ziel wie minus 75 Prozent Sterblichkeit nicht nur als Absichtserklärung stehen bleibt, sondern mit den Mitteln hinterlegt wird, die es braucht.

Dialog und Zusammenarbeit

Wir stehen für ein Gespräch mit dem Gesundheitsministerium, dem PNLP und dem Globalen Fonds zur Verfügung. Noch keine direkte Konsultation dokumentiert. Wir würden uns freuen, an einem Austausch zur Umsetzung des PSNLP 2024-2028 beteiligt zu werden, sobald sich dazu eine Gelegenheit ergibt.

Quellen und Methodik

Die regionalen Prävalenzwerte (Centre 49,1%, Süden 45,6%, Osten 41,4%, 2023) stammen vom kamerunischen Statistikinstitut INS; ein nationaler Gesamtwert wurde nicht extrahiert. Die Angaben zu mehr als 1.700 Todesfällen und rund drei Millionen Fällen 2023 stammen aus der Fachpresse (Santé Tropicale) und sollten mit dem PNLP gegengeprüft werden. Angaben zum PSNLP 2024-2028, seinem Start am 25.04.2024 und dem Ziel von minus 75 Prozent Sterblichkeit stammen von MINSANTE/PNLP. Die Finanzierungszahlen (Bedarf 336,95 Mrd FCFA, mobilisiert 149,98 Mrd FCFA, Stand 04/2024) stammen von Investir au Cameroun. Angaben zum Globalen Fonds (101,2 Mio Euro 2021-2023, rund 205 Mio Euro erwartet für den nächsten Zyklus, minus 29% gegenüber 2024-2026, Umsetzung ab 01/2027) stammen von L'Initiative Expertise France. Der Hinweis zum USAID-Rückzug und den rund 30 Milliarden FCFA zum Ausgleich stammt von Datacameroon. Diese Recherche wurde als vorläufig eingestuft und sollte vor Veröffentlichung fachlich gegengeprüft werden. ---