KAGEDEV — Kamerunische Gemeinschaft in Deutschland e.V.
Plaidoyer · Soziale Gerechtigkeit und GesundheitVeröffentlicht

Ärztemangel auf dem Land: Wie die ungleiche Verteilung des Gesundheitspersonals ganze Regionen Kameruns abhängt

Kamerun leidet nicht nur an einem allgemeinen Mangel an Ärztinnen und Ärzten, sondern vor allem an deren extrem ungleicher geografischer Verteilung. Während sich medizinisches Personal in der Hauptstadtregion konzentriert, bleiben ländliche und nördliche Regionen faktisch unterversorgt. Ein Teil der kamerunischen Diaspora in Deutschland besteht aus genau jenen im Land ausgebildeten Gesundheitsfachkräften, die ausgewandert sind. KAGEDEV setzt sich für Rückkehr-Anreize und alternative Kooperationsformen wie Telemedizin ein, um diese Fachkräfte wieder mit dem kamerunischen Gesundheitssystem zu verbinden.

Veröffentlicht am 13. September 2026Als PDF herunterladen

Auf einen Blick

  • Kameruns Arztdichte liegt je nach Quelle zwischen 0,6 und 1,1 pro 10.000 Einwohner — weit unter dem WHO-Richtwert von 10.
  • Ärztliches Personal konzentriert sich stark in der Zentralregion, während der Norden strukturell unterversorgt bleibt.
  • Die Region Extrême-Nord stellt rund 18 % der Bevölkerung, aber nur rund 8 % der Ärzteschaft.
  • Presseberichten zufolge arbeiten schätzungsweise tausende kamerunische Ärztinnen und Ärzte im Ausland.
  • Ein Teil der kamerunischen Diaspora in Deutschland besteht aus ausgewanderten Gesundheitsfachkräften — eine Ressource für künftige Kooperationen.

Zahlen im Überblick

0,6–1,1 Ärztinnen/Ärzte pro 10.000 Einwohner: nationale Arztdichte (Fourchette, je nach Quelle)
Quelle: Africa Health Workforce Observatory, IndexMundi
10 pro 10.000 Einwohner: WHO-Empfehlung zum Vergleich
Quelle: WHO
~18 % Bevölkerung / ~8 % Ärzteschaft: Region Extrême-Nord
Quelle: Nkafu Institute
~40 % Ärzteschaft / ~18 % Bevölkerung: Zentralregion (Presseangabe, zu verifizieren)
Quelle: kamerunischer Medienbericht
~5.000: geschätzte Zahl kamerunischer Ärztinnen/Ärzte im Ausland (Presseschätzung, mit Vorsicht zu behandeln)
Quelle: Presseberichte

Worum geht es?

Kamerun verfügt landesweit über eine sehr geringe Anzahl an Ärztinnen und Ärzten im Verhältnis zur Bevölkerung — deutlich unterhalb der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Richtwerte. Verschiedene Quellen nennen hierzu unterschiedliche Werte, je nach Erhebungsmethodik und Datenstand; sie liegen aber übereinstimmend in einer Größenordnung, die als kritisch gilt. Zu diesem allgemeinen Mangel kommt ein zweites, ebenso gravierendes Problem hinzu: Das vorhandene medizinische Personal ist extrem ungleich über das Staatsgebiet verteilt. Die Zentralregion mit der Hauptstadt Yaoundé konzentriert einen unverhältnismäßig hohen Anteil der Ärzteschaft, während bevölkerungsreiche Regionen im Norden des Landes strukturell unterversorgt bleiben. Verschärft wird die Lage durch die Auswanderung ausgebildeter Fachkräfte ins Ausland.

Wen betrifft es?

Am stärksten betroffen ist die Bevölkerung ländlicher Gebiete und der nördlichen Regionen Kameruns, insbesondere der Region Extrême-Nord, die einen bedeutenden Bevölkerungsanteil, aber nur einen geringen Anteil des ärztlichen Personals aufweist. Betroffen sind auch die Fachkräfte selbst: Ärztinnen, Ärzte, Pflegepersonal und weitere Gesundheitsberufe, die vor der Wahl stehen, unter schwierigen Arbeitsbedingungen im Land zu bleiben oder ins Ausland auszuwandern. Ein erheblicher Teil der KAGEDEV-Mitgliedschaft in Deutschland zählt zu genau dieser Gruppe: in Kamerun ausgebildete Gesundheitsfachkräfte, die heute im deutschen Gesundheitssystem arbeiten.

Was zeigen die Daten?

Die Angaben zur nationalen Arztdichte in Kamerun schwanken je nach Quelle zwischen 0,6 und 1,1 Ärztinnen und Ärzten pro 10.000 Einwohner (Africa Health Workforce Observatory, IndexMundi). Diese Bandbreite spiegelt unterschiedliche Erhebungsmethoden und Datenstände wider und sollte als grobe Orientierung, nicht als exakter Einzelwert verstanden werden. Zum Vergleich: Die von der WHO empfohlene Mindestdichte liegt bei 10 Ärztinnen und Ärzten pro 10.000 Einwohner — Kamerun liegt damit unabhängig von der gewählten Quelle weit unter diesem Richtwert. Nach Angaben eines kamerunischen Medienberichts arbeiten rund 40 % der Ärztinnen und Ärzte des Landes in der Zentralregion, die jedoch nur etwa 18 % der Landesbevölkerung stellt. Diese Zahl stammt aus einer journalistischen Quelle und sollte vor einer verbindlichen Zitierung mit weiteren Quellen abgeglichen werden (Zuverlässigkeit: zu prüfen). Umgekehrt beherbergt die Region Extrême-Nord rund 18 % der Landesbevölkerung, stellt aber nur etwa 8 % des ärztlichen Personals (Quelle: Nkafu Institute). Presseberichten zufolge sollen schätzungsweise rund 5.000 kamerunische Ärztinnen und Ärzte im Ausland tätig sein. Diese Zahl beruht auf einer medialen Schätzung, die nicht mit einer institutionellen Quelle abgeglichen werden konnte, und wird hier ausdrücklich mit Vorsicht als "laut Presseberichten kolportierte Schätzung" wiedergegeben (Zuverlässigkeit: gering bis mittel). Einordnung der Datenqualität: Die Zahl zur regionalen Verteilung in der Extrême-Nord-Region stammt von einer anerkannten Denkfabrik (Nkafu Institute) und gilt als verlässlicher. Die Zahlen zur Konzentration in der Zentralregion und zur Auswanderungszahl stammen aus journalistischen Quellen und werden entsprechend vorsichtig formuliert.

Warum besteht Handlungsbedarf?

Eine derart ungleiche Verteilung medizinischen Personals bedeutet, dass der Zugang zu Gesundheitsversorgung in Kamerun nicht nur von der finanziellen Situation, sondern auch vom Wohnort abhängt. Menschen in unterversorgten Regionen müssen oft weite Strecken zurücklegen, um überhaupt eine Ärztin oder einen Arzt zu erreichen — mit gravierenden Folgen bei Notfällen und chronischen Erkrankungen. Die gleichzeitige Auswanderung ausgebildeter Fachkräfte verschärft den bereits bestehenden absoluten Mangel und stellt das Land vor ein doppeltes Dilemma: zu wenig Personal insgesamt, und das wenige vorhandene Personal extrem ungleich verteilt. Ohne gezielte Anreize für eine gerechtere Verteilung und für die Bindung beziehungsweise Rückgewinnung von Fachkräften wird sich diese Kluft eher vertiefen als schließen. Die Planung der Gesundheitsressourcen, einschließlich der Verteilung von medizinischem Personal, liegt in der Zuständigkeit des Ministeriums für öffentliche Gesundheit (MINSANTE). Die dezentralisierten Gebietskörperschaften Kameruns verfügen im Rahmen der Dezentralisierungspolitik ebenfalls über Kompetenzen im Gesundheitsbereich, die jedoch in ihrer praktischen Umsetzung von Region zu Region unterschiedlich stark genutzt werden. Der Ordre National des Médecins du Cameroun reguliert die ärztliche Berufsausübung, hat jedoch keine direkte Steuerungsfunktion über die geografische Verteilung der Fachkräfte. Auf internationaler Ebene erhebt die WHO-Afrika-Regionalorganisation über ihr Observatorium für Gesundheitspersonal Daten zur Fachkräftesituation, ohne dass daraus verbindliche nationale Verteilungsvorgaben abgeleitet würden.

Was muss sich ändern?

  1. Die kamerunische Regierung soll gezielte finanzielle und berufliche Anreize schaffen, um Gesundheitsfachkräfte in unterversorgte Regionen wie Extrême-Nord zu lenken.
  2. Internationale Partner (WHO-AFRO, GIZ, BAD) sollen ihre Unterstützung stärker auf den Aufbau von Gesundheitsinfrastruktur in ländlichen und nördlichen Regionen ausrichten.
  3. Die kamerunische Regierung soll gemeinsam mit der Diaspora Programme für befristete Rückkehr-Einsätze oder Telemedizin-Kooperationen prüfen, um ausgewanderte Fachkräfte wieder einzubinden.
  4. Verlässlichere, regelmäßig aktualisierte Daten zur geografischen Verteilung des Gesundheitspersonals sollen öffentlich zugänglich gemacht werden, um eine Erfolgskontrolle zu ermöglichen.
  5. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit soll Modellprojekte für Telemedizin zwischen Diaspora-Fachkräften und unterversorgten Regionen Kameruns fördern.

An wen richten sich unsere Forderungen?

Unsere Forderungen richten sich an das Ministerium für öffentliche Gesundheit (MINSANTE), zuständig für die Planung der Humanressourcen im Gesundheitswesen, an die dezentralisierten Gebietskörperschaften, die über lokale Zuständigkeiten im Gesundheitsbereich verfügen, sowie an den Ordre National des Médecins du Cameroun als Standesorganisation der Ärzteschaft. Auf internationaler Ebene richten sie sich an WHO-AFRO, das Observatorium für Gesundheitspersonalressourcen betreibt, an die GIZ, die Projekte zur Stärkung primärer Gesundheitssysteme unterstützt, sowie an die Afrikanische Entwicklungsbank (BAD), die Infrastrukturprojekte im ländlichen Gesundheitswesen finanziert.

Was kann kurzfristig geschehen?

Wenn Sie selbst eine Gesundheitsfachkraft mit kamerunischen Wurzeln sind: Informieren Sie sich über bestehende Austausch- oder Kooperationsmöglichkeiten und bringen Sie Ihre Expertise perspektivisch ein. Machen Sie das Thema der ungleichen Gesundheitsversorgung in Gesprächen mit Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern sichtbar. Unterstützen Sie Initiativen, die Telemedizin oder Fachkräfteaustausch zwischen Deutschland und Kamerun fördern. Teilen Sie dieses Plaidoyer, um auf die territoriale Ungleichheit in der Gesundheitsversorgung Kameruns aufmerksam zu machen.

Was ist langfristig nötig?

Ohne eine gezielte Politik zur gerechteren Verteilung des Gesundheitspersonals wird die Kluft zwischen gut versorgten urbanen Zentren und vernachlässigten ländlichen Regionen in Kamerun bestehen bleiben oder sich vertiefen. Die kamerunische Diaspora, die einen relevanten Anteil ausgewanderter Fachkräfte umfasst, könnte bei einer klugen Kooperationspolitik Teil der Lösung werden. KAGEDEV wird sich dafür einsetzen, dass diese Perspektive in der deutsch-kamerunischen Zusammenarbeit stärker berücksichtigt wird.

Wie messen wir Fortschritt?

  • Nationale Arztdichte pro 10.000 Einwohner (Basis: 0,6–1,1, je nach Quelle, gegenüber WHO-Richtwert von 10)
  • Anteil des ärztlichen Personals in der Region Extrême-Nord im Verhältnis zum Bevölkerungsanteil (Basis: rund 8 % Ärzteschaft bei rund 18 % Bevölkerung, Nkafu Institute)
  • Anteil des ärztlichen Personals in der Zentralregion im Verhältnis zum Bevölkerungsanteil (Basis: rund 40 % Ärzteschaft bei rund 18 % Bevölkerung, zu verifizieren)
  • Zahl der im Ausland tätigen kamerunischen Ärztinnen und Ärzte (Basis: geschätzt rund 5.000, Presseschätzung mit Vorsicht zu behandeln)
  • Zahl bestehender Telemedizin- oder Rückkehr-Kooperationsprogramme zwischen Diaspora-Fachkräften und unterversorgten Regionen (aktuell keine bekannt)

Unsere Haltung

KAGEDEV stellt im Austausch mit seinen Mitgliedern fest, dass ein bedeutender Teil der in Deutschland lebenden kamerunischen Diaspora aus Gesundheitsfachkräften besteht, die ihre Ausbildung in Kamerun absolviert haben, bevor sie ausgewandert sind. Diese Beobachtung hat KAGEDEV dazu bewogen, das Thema Fachkräfteabwanderung und -rückgewinnung als eigenständiges Handlungsfeld in seine Advocacy-Arbeit aufzunehmen. Konkrete operative Programme zur Vermittlung von Rückkehr- oder Telemedizin-Kooperationen bestehen bei KAGEDEV bislang nicht; das Thema wird derzeit in erster Linie politisch begleitet und beobachtet. KAGEDEV vertritt keine Partei und keine politische Richtung, sondern setzt sich für eine faktenbasierte Politik ein, die Gesundheitsfachkräfte fair verteilt und der Diaspora sinnvolle Kooperationsmöglichkeiten eröffnet.

Dialog und Zusammenarbeit

Wir sind offen für den Austausch mit MINSANTE, das für die Planung der Humanressourcen im Gesundheitswesen zuständig ist, sowie mit dem Ordre National des Médecins du Cameroun als Standesorganisation der Ärzteschaft. Ebenso suchen wir den Dialog mit den dezentralisierten Gebietskörperschaften, die über lokale Zuständigkeiten im Gesundheitsbereich verfügen, mit WHO-AFRO, das das Observatorium für Gesundheitspersonalressourcen betreibt, mit der GIZ, die Projekte zur Stärkung primärer Gesundheitssysteme unterstützt, sowie mit der Afrikanischen Entwicklungsbank (BAD), die Infrastrukturprojekte im ländlichen Gesundheitswesen finanziert.

Quellen und Methodik

- Nkafu Institute, "Investing in Health Workforce for Improved Health Outcomes in Cameroon": https://nkafu.org/investing-in-health-workforce-for-improved-health-outcomes-in-cameroon/ - IndexMundi, Densité médicale Cameroun: https://www.indexmundi.com/fr/cameroun/densite_medicale.html - StopBlaBlaCam, "Personnel de santé: l'OMS classe le Cameroun parmi les pays les moins avancés d'Afrique": https://www.stopblablacam.com/societe/2306-8983-ratio-population/personnel-de-sante-l-oms-classe-le-cameroun-parmi-les-pays-les-moins-avances-d-afrique - WHO-AFRO, "Ressources humaines en santé": https://www.afro.who.int/fr/news/ressources-humaines-en-sante - Album Social, "Cameroun: immigration massive des médecins": https://album-social.com/2025/05/21/cameroun-immigration-massive-medecins/ Kontakt/Impressum: KAGEDEV e.V. — Kamerunische Gemeinschaft in Deutschland. Kontakt über die offiziellen Kommunikationskanäle von KAGEDEV auf kagedev.org. Verantwortlich im Sinne des Presserechts: Vorstand von KAGEDEV e.V.