Deutschlands Beitrag gegen geschlechtsspezifische Gewalt in Kamerun: wichtig, aber ausbaufähig
Deutschland (BMZ/GIZ) und die Europäische Union finanzieren gemeinsam mit UNFPA konkrete Programme gegen geschlechtsspezifische Gewalt in Kameruns Nordwest- und Südwestregion. Dieses Engagement ist wertvoll, aber mit rund 3 Millionen Euro über vier Jahre finanziell begrenzt und ohne eigenständigen Schwerpunkt auf Feminizide. Hier kann die kamerunische Diaspora in Deutschland unmittelbar auf deutsche Entscheidungsträger einwirken.
Auf einen Blick
- Deutschland und die EU finanzieren mit UNFPA ein konkretes Programm gegen geschlechtsspezifische Gewalt in Nordwest- und Südwest-Kamerun.
- Das Fördervolumen (rund 3 Mio. Euro über 4 Jahre) bleibt im Verhältnis zum Bedarf begrenzt.
- Nur 22 % der Hilfesuchenden erhalten laut UNFPA die notwendige Weiterverweisung an geeignete Dienste.
- Ein eigenständiger Schwerpunkt auf Feminizide fehlt im bestehenden Programm.
- Die Diaspora in Deutschland kann hier direkt gegenüber Bundestag und BMZ Gehör finden.
Zahlen im Überblick
- Fördervolumen PROSIG-Programm: ~3 Mio. Euro über 4 Jahre
- Quelle: UNFPA WCARO (Fiabilität hoch)
- Zu schulende Fachkräfte: 10 000
- Quelle: UNFPA/GIZ (Fiabilität hoch)
- Erreichte Gemeinschaftsmitglieder (Ziel): 355 983
- Quelle: UNFPA/GIZ (Fiabilität hoch)
- Anteil Hilfesuchender mit häuslicher Gewalt: 65 %
- Quelle: UNFPA (Fiabilität mittel-hoch)
- Anteil mit ausreichender Weiterverweisung: 22 %
- Quelle: UNFPA (Fiabilität mittel-hoch)
Worum geht es?
Es geht um die deutsch-europäische Entwicklungszusammenarbeit im Bereich geschlechtsspezifischer Gewalt in Kamerun, konkret um das von der GIZ und UNFPA gemeinsam mit Finanzierung der EU und des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzte Programm „Women éh, Wuna place dey!" im Rahmen des breiteren PROSIG-Programms. Anders als bei T13-A und T13-B, wo kamerunische Behörden die zentralen Adressaten sind, richtet sich dieses Plaidoyer an deutsche und europäische Entscheidungsträger — Bundestag, BMZ, EU-Delegation — und damit an Institutionen, die die deutsche Diaspora direkt erreichen kann.
Wen betrifft es?
Direkt betroffen sind Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt in den Regionen Nordwest und Südwest, die von den geförderten Diensten profitieren sollen — unter anderem durch das geplante integrierte Versorgungszentrum („One-Stop Center") am Regionalkrankenhaus Bamenda. Betroffen sind zudem lokale zivilgesellschaftliche Organisationen wie die Nkwen Women's Association, die als Umsetzungspartner vor Ort tätig sind. Mittelbar betroffen ist die kamerunische Diaspora in Deutschland, die als Bindeglied zwischen deutscher Entwicklungspolitik und der Zielgruppe vor Ort eine besondere Rolle einnehmen kann.
Was zeigen die Daten?
Das Programm „Women éh, Wuna place dey!" von GIZ und UNFPA wird mit rund 3 Millionen Euro über vier Jahre finanziert, gemeinsam durch die Europäische Union und das BMZ im Rahmen von PROSIG (Quelle: UNFPA WCARO; Fiabilität hoch). Zu den Programmzielen zählen die Schulung von 10 000 Fachkräften im Bereich Dienste gegen geschlechtsspezifische Gewalt, das Erreichen von 355 983 Mitgliedern der Gemeinschaften in Nordwest und Südwest sowie die Einrichtung eines integrierten Versorgungszentrums („One-Stop Center") am Regionalkrankenhaus Bamenda (Fiabilität hoch). Laut UNFPA geben unter den Überlebenden geschlechtsspezifischer Gewalt, die Hilfe suchen, 65 % häusliche Gewalt in der Partnerschaft und 33 % sexualisierte Gewalt als Erfahrung an; nur 22 % erhalten die tatsächlich notwendige Weiterverweisung an geeignete Dienste (Fiabilität mittel-hoch; das genaue Erhebungsjahr ist zu verifizieren). Der Aktionsplan des BMZ zur feministischen Entwicklungspolitik (GAP III, Dezember 2023 bis 2027) verankert die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt ausdrücklich als strategische Priorität der deutschen Entwicklungspolitik (Fiabilität hoch). Zur historischen Einordnung: 2014 existierte in ganz Kamerun nur eine einzige Anlaufstelle für Betroffene geschlechtsspezifischer Gewalt; bis 2019 sollen rund zehn Krisenzentren eröffnet worden sein (Fiabilität mittel, Primärquelle zur Bestätigung erforderlich).
Warum besteht Handlungsbedarf?
Das Engagement von BMZ, GIZ und EU ist ein wichtiger und konkreter Beitrag, bleibt aber in seiner finanziellen Dimension — rund 3 Millionen Euro über vier Jahre für zwei ganze Regionen — im Verhältnis zum Ausmaß des Problems bescheiden. Zudem adressiert das Programm geschlechtsspezifische Gewalt im Allgemeinen, ohne einen eigenständigen, gezielten Schwerpunkt auf Feminizide zu setzen, obwohl gerade Tötungsdelikte die schwerste Ausprägung dieser Gewaltform darstellen. Die Tatsache, dass nur 22 % der Hilfesuchenden die notwendige Weiterverweisung erhalten, deutet zudem auf Kapazitätsengpässe im bestehenden Versorgungssystem hin, die eine Ausweitung der Förderung nahelegen. Die deutsche Entwicklungspolitik hat sich mit der feministischen Entwicklungspolitik und dem BMZ-Aktionsplan GAP III (2023-2027) verbindliche strategische Vorgaben zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt gegeben. Auf EU-Ebene fließen Mittel über die EU-Delegation in Kamerun in gemeinsame Programme mit UNFPA. Diese Zusagen sind entwicklungspolitisch bindend, ihre konkrete Ausgestaltung — Umfang, Laufzeit, thematischer Zuschnitt — unterliegt jedoch politischen Entscheidungen, die Interessenvertretung zugänglich sind, etwa gegenüber dem Bundestag und dem BMZ.
Was muss sich ändern?
- Prüfung einer Aufstockung der Mittel für Programme gegen geschlechtsspezifische Gewalt in Kamerun durch BMZ und EU, angesichts des im Verhältnis zum Bedarf begrenzten Volumens von rund 3 Millionen Euro über vier Jahre.
- Einführung eines eigenständigen, klar benannten Schwerpunkts zu Feminiziden innerhalb der bestehenden und künftigen Programme, ergänzend zur allgemeinen Arbeit gegen geschlechtsspezifische Gewalt.
- Transparente, regelmäßige Berichterstattung von GIZ und UNFPA über die tatsächlich erreichten Ergebnisse des PROSIG-Programms, einschließlich der Quote der Weiterverweisung Hilfesuchender an geeignete Dienste.
- Verstetigung der Finanzierung über die aktuelle Laufzeit hinaus, um den Aufbau nachhaltiger Strukturen (etwa des One-Stop-Centers in Bamenda) nicht zu gefährden.
- Einbindung der kamerunischen Diaspora in Deutschland als Dialogpartnerin bei der Weiterentwicklung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zu diesem Thema.
An wen richten sich unsere Forderungen?
Auf deutscher Seite sind dies das BMZ, die GIZ, die deutsche Botschaft in Jaunde sowie der Entwicklungsausschuss des Bundestages. Auf europäischer Seite ist die EU-Delegation in Kamerun zentral. Als operativer Umsetzungspartner fungiert UNFPA (Länderbüro Kamerun bzw. Regionalbüro WCARO). Auf kamerunischer Seite sind MINPROFF, die Regionalbehörden in Nordwest und Südwest sowie lokale zivilgesellschaftliche Organisationen wie die Nkwen Women's Association beteiligt.
Was kann kurzfristig geschehen?
Wenden Sie sich als in Deutschland lebende Person direkt an Ihre Bundestagsabgeordneten und fragen Sie nach der Zukunft der deutschen Förderung von Programmen gegen geschlechtsspezifische Gewalt in Kamerun. Verfolgen Sie die öffentliche Berichterstattung von BMZ und GIZ zu deren feministischer Entwicklungspolitik. Unterstützen Sie KAGEDEV dabei, einen strukturierten Dialog mit BMZ und dem Bundestag aufzubauen. Teilen Sie sachliche Informationen zu diesem Programm in Ihrem Netzwerk, um dessen Bekanntheit zu erhöhen.
Was ist langfristig nötig?
Da sich dieses Plaidoyer an deutsche und europäische Entscheidungsträger richtet, sieht KAGEDEV hier den unmittelbarsten Hebel für eigenes Engagement. KAGEDEV beabsichtigt, den Dialog mit BMZ, GIZ und dem Bundestag zu diesem Thema aufzubauen und über den weiteren Verlauf des PROSIG-Programms sowie über die Fortschreibung der deutschen feministischen Entwicklungspolitik (GAP III) zu berichten, sobald neue belastbare Informationen vorliegen.
Wie messen wir Fortschritt?
- Fördervolumen von BMZ und EU für Programme gegen geschlechtsspezifische Gewalt in Kamerun (Basis: ~3 Mio. Euro über 4 Jahre)
- Anteil der Hilfesuchenden mit ausreichender Weiterverweisung an geeignete Dienste (Basis: 22 %)
- Existenz eines eigenständigen Feminizid-Schwerpunkts innerhalb des PROSIG-Programms (Stand: nicht vorhanden)
- Fortschritt bei der Einrichtung des One-Stop-Centers am Regionalkrankenhaus Bamenda
Unsere Haltung
KAGEDEV verfolgt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Kamerun im Rahmen seiner allgemeinen Vereinsarbeit und sieht in diesem Themenfeld eine besondere Gelegenheit für direkten Dialog mit deutschen Institutionen. Ein formeller Austausch mit BMZ, GIZ oder dem Bundestag zu diesem konkreten Programm hat bislang nicht stattgefunden; dieses Plaidoyer bildet die Grundlage, ein solches Engagement aufzubauen.
Dialog und Zusammenarbeit
KAGEDEV ist offen für den Austausch mit dem BMZ, der GIZ, der deutschen Botschaft in Jaunde, dem Entwicklungsausschuss des Bundestages sowie der EU-Delegation in Kamerun, um gemeinsam mit UNFPA und lokalen Partnerorganisationen wie der Nkwen Women's Association an einer Ausweitung der Programme mitzuwirken.
