KAGEDEV — Kamerunische Gemeinschaft in Deutschland e.V.
Plaidoyer · InfrastrukturVeröffentlicht

Wege zur Entwicklung: Für ein verlässliches und gut instand gehaltenes Straßennetz in Kamerun

Weniger als 9 % des kamerunischen Straßennetzes sind asphaltiert — mit nur 10.576 km befestigten Straßen auf einem Gesamtnetz von 121.873 km bleibt ein Großteil des Landes, insbesondere landwirtschaftliche Produktionsgebiete, unzureichend erschlossen. KAGEDEV fordert eine konsequente Priorisierung der Straßenunterhaltung und des Ausbaus ländlicher Verbindungswege, um wirtschaftliche Entwicklung, Sicherheit und Investitionen der Diaspora zu ermöglichen.

Veröffentlicht am 13. September 2026Als PDF herunterladen

Auf einen Blick

  • Nur 10.576 km von 121.873 km Straßennetz sind asphaltiert — weniger als 9 %. Die kursierende Zahl von 15.000 km ist falsch und wurde widerlegt.
  • Der nationale Straßenfonds erhält jährlich nur 50-80 % des Instandhaltungsbedarfs — das führt zu Verfall statt Erhalt.
  • Rund 2.000 Unfälle und über 1.000 Tote pro Jahr zeigen die Dringlichkeit besserer Straßeninfrastruktur.
  • Diaspora-Investitionen in Landwirtschaft und Immobilien werden durch mangelnde Straßenerschließung konkret behindert.
  • KAGEDEV fordert verifizierte Daten statt Fehlinformation als Grundlage für die öffentliche Debatte über Kameruns Straßen.

Zahlen im Überblick

121.873 km — Gesamtes nationales Straßennetz (2023/2024)
Quelle: INS Cameroun/MINTP
10.576 km — asphaltiertes Straßennetz Ende 2024 (unter 9 %)
Quelle: INS Cameroun, MINTP
50-80 % — Anteil des tatsächlich finanzierten Instandhaltungsbedarfs
Quelle: AfDB
~2.000 Unfälle / >1.000 Tote pro Jahr
Quelle: AfDB

Worum geht es?

Ein funktionierendes Straßennetz ist die Voraussetzung dafür, dass landwirtschaftliche Produkte Märkte erreichen, Investitionen in ländliche Gebiete fließen können und Menschen sicher reisen. Kameruns Straßennetz umfasst insgesamt 121.873 km, doch nur ein kleiner Teil davon ist asphaltiert. Zudem erhält der nationale Straßenfonds regelmäßig nur einen Bruchteil der für die Instandhaltung notwendigen Mittel, was zu einem schleichenden Verfall bestehender Infrastruktur und zu Zahlungsrückständen gegenüber ausführenden Unternehmen führt. Hinzu kommt eine besorgniserregende Unfallbilanz auf den bestehenden Straßen. Wichtiger Hinweis zur Datenlage: Es kursiert eine weit verbreitete Fehlinformation, wonach Kamerun über mehr als 15.000 km asphaltierte Straßen verfüge. Diese Zahl wurde durch einen dedizierten Faktencheck widerlegt. Die korrekte, durch mehrere übereinstimmende Quellen (INS Cameroun, MINTP) bestätigte Zahl liegt bei 10.576 km asphaltierter Straßen Ende 2024.

Wen betrifft es?

- Landwirtschaftliche Produzenten in abgelegenen Regionen, die ihre Erzeugnisse aufgrund schlechter Straßen nur unter hohen Kosten und Verlusten zu Märkten transportieren können - Bewohner ländlicher Gebiete, die durch unzureichende Straßenanbindung von Gesundheits- und Bildungseinrichtungen abgeschnitten sind - Verkehrsteilnehmer generell, angesichts von jährlich rund 2.000 Unfällen mit über 1.000 Todesopfern - Kleine und mittlere Bauunternehmen (PME), die durch Zahlungsrückstände des Straßenfonds finanziell belastet werden - Die kamerunische Diaspora, deren Investitionen in Immobilien und Landwirtschaft in ihren Herkunftsregionen durch mangelnde Erschließung erschwert werden

Was zeigen die Daten?

- Gesamtes nationales Straßennetz: 121.873 km zum 31. Dezember 2023/2024 (INS Cameroun/MINTP; Zuverlässigkeit hoch, übereinstimmende Quellen) - Asphaltiertes Straßennetz: 10.576 km Ende 2024 (weniger als 9 % des Gesamtnetzes 2023), ein Anstieg gegenüber 8.498 km im Jahr 2020, mit einer durchschnittlichen jährlichen Zunahme von rund 488 km über den Zeitraum 2020-2025; für Ende 2025 werden knapp 10.939 km erwartet (Zuverlässigkeit hoch, übereinstimmende Quellen) - Zusammensetzung des asphaltierten Netzes Ende 2024: 109,10 km Autobahnen, 5.731,24 km Nationalstraßen, 1.495,27 km Regionalstraßen, 2.549,57 km Gemeindestraßen (Zuverlässigkeit hoch) - Der nationale Straßenfonds erhält jährlich nur 50 bis 80 % des tatsächlichen Instandhaltungsbedarfs, was zu Zahlungsrückständen gegenüber beauftragten kleinen und mittleren Unternehmen führt (AfDB; Zuverlässigkeit hoch) - Verkehrssicherheit: rund 2.000 Unfälle pro Jahr, mehr als 1.000 Tote, 5.500 Verletzte (AfDB; Zuverlässigkeit hoch) Ausdrücklicher Hinweis: Die häufig zitierte Zahl von "über 15.000 km asphaltierten Straßen" ist nachweislich falsch und wurde durch einen Faktencheck widerlegt. Dieses Plaidoyer verwendet ausschließlich die verifizierte Zahl von 10.576 km.

Warum besteht Handlungsbedarf?

Mit weniger als 9 % asphaltiertem Straßennetz bleibt Kamerun bei der Erschließung seines Territoriums weit hinter dem Bedarf einer wachsenden Volkswirtschaft zurück. Die strukturelle Unterfinanzierung der Instandhaltung (nur 50-80 % des Bedarfs) führt zu einem Teufelskreis: bestehende Straßen verfallen schneller, als neue gebaut werden können, während die hohe Unfallzahl auf eine mangelhafte Streckenqualität und -sicherheit hinweist. Ohne eine klare politische Priorisierung von Instandhaltung gegenüber rein symbolischen Neubauprojekten wird sich diese Lücke weiter vergrößern — mit direkten Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung ländlicher Produktionsgebiete. Der Straßensektor untersteht dem Ministerium für öffentliche Arbeiten (MINTP) sowie dem nationalen Straßenfonds, der für die Finanzierung von Instandhaltungsarbeiten zuständig ist. Die Haushaltsarbitrage zwischen Neubau und Instandhaltung liegt in der politischen Verantwortung der Regierung. Internationale Partner wie die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) begleiten gezielte Erschließungsprogramme, etwa im Osten des Landes.

Was muss sich ändern?

  1. Priorisierung der Instandhaltung bestehender Straßen gegenüber rein symbolischen Neubauprojekten, um den bestehenden Bestand zu erhalten
  2. Vollständige und pünktliche Finanzierung des nationalen Straßenfonds, um Zahlungsrückstände gegenüber kleinen und mittleren Bauunternehmen zu beenden
  3. Gezielte Erschließung landwirtschaftlicher Produktionsgebiete, um den Marktzugang für lokale Erzeugnisse zu verbessern
  4. Verstärkte Verkehrssicherheitsmaßnahmen angesichts der hohen Unfall- und Todeszahlen auf kamerunischen Straßen
  5. Korrektur öffentlicher Fehlinformationen über den Zustand des Straßennetzes, um eine informierte öffentliche Debatte auf Basis verifizierter Daten zu ermöglichen

An wen richten sich unsere Forderungen?

Unsere Forderungen richten sich an: das MINTP (Ministère des Travaux Publics), das zuständige Fachministerium; den nationalen Straßenfonds, zuständig für die Finanzierung der Instandhaltung; die kamerunische Regierung, zuständig für die Haushaltsarbitrage zwischen Instandhaltung und Neubau; sowie die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB), die Erschließungsprogramme wie die Straße Ngoura II–Yokadouma in der Ostregion finanziert. Im Rahmen dieser Recherche wurde keine direkte Beteiligung deutscher Institutionen (KfW/GIZ) am kamerunischen Straßensektor bestätigt. Ein solcher direkter bilateraler Zusammenhang sollte nicht behauptet werden.

Was kann kurzfristig geschehen?

Kurzfristig können Sie ausschließlich verifizierte Zahlen zum kamerunischen Straßennetz verbreiten (10.576 km asphaltiert, nicht 15.000 km) und so zur Bekämpfung von Fehlinformation beitragen. Berichten Sie KAGEDEV von eigenen Erfahrungen mit mangelnder Straßenanbindung bei Investitions- oder Familienprojekten in Kamerun. Teilen Sie dieses Plaidoyer, um das Bewusstsein für die Bedeutung der Straßeninstandhaltung für die wirtschaftliche Entwicklung zu schärfen. Nehmen Sie an KAGEDEV-Veranstaltungen zu Diaspora-Investitionen in Kamerun teil, bei denen infrastrukturelle Hindernisse thematisiert werden.

Was ist langfristig nötig?

Die schrittweise Zunahme des asphaltierten Straßennetzes (von 8.498 km im Jahr 2020 auf voraussichtlich knapp 10.939 km Ende 2025) zeigt einen positiven, aber langsamen Trend. Ohne eine grundlegende Verbesserung der Instandhaltungsfinanzierung und eine klare Priorisierung der Erschließung von Produktionsgebieten wird dieser Fortschritt jedoch begrenzt bleiben. KAGEDEV wird die Entwicklung des Straßennetzes weiterhin anhand verifizierter Daten verfolgen und über Fortschritte berichten.

Wie messen wir Fortschritt?

  • Anteil des asphaltierten Straßennetzes am Gesamtnetz (Basis: 10.576 km von 121.873 km Ende 2024, unter 9 %)
  • Jährlicher Zuwachs des asphaltierten Netzes (Basis: durchschnittlich rund 488 km/Jahr 2020-2025; Zielwert Ende 2025: rund 10.939 km)
  • Anteil des tatsächlich finanzierten Instandhaltungsbedarfs des Straßenfonds (Basis: 50-80 %)
  • Zahl der Verkehrsunfälle und Verkehrstoten pro Jahr (Basis: rund 2.000 Unfälle, über 1.000 Tote)

Unsere Haltung

KAGEDEV vertritt keine Partei und keine politische Richtung. Unsere Forderungen stützen sich ausschließlich auf öffentlich zugängliche, nach Möglichkeit mehrfach bestätigte Daten und Quellen. Wo Fehlinformationen kursieren, korrigieren wir diese ausdrücklich anhand verifizierter Zahlen, statt unbelegte Behauptungen zu verbreiten.

Dialog und Zusammenarbeit

KAGEDEV beobachtet, dass Mitglieder der Diaspora, die in Immobilien- oder Landwirtschaftsprojekte in ihren Herkunftsregionen investieren möchten, regelmäßig durch die unzureichende Straßenanbindung dieser Gebiete ausgebremst werden. Dieses Thema wird von KAGEDEV im Austausch mit Mitgliedern als wiederkehrendes praktisches Hindernis für Diaspora-Investitionen wahrgenommen, ohne dass hierzu bislang eine direkte deutsch-kamerunische Kooperationsschiene identifiziert werden konnte. Wir sind offen für den Austausch mit dem MINTP, dem nationalen Straßenfonds und der AfDB über eine gezielte Erschließung landwirtschaftlicher Produktionsgebiete.

Quellen und Methodik

- Investir au Cameroun: https://www.investiraucameroun.com/travaux-publics/0502-20276-au-cameroun-moins-de-9-du-reseau-routier-est-bitume-sur-un-lineaire-global-de-121-873-km-au-31-decembre-2023 - INS Cameroun: https://ins-cameroun.cm/statistique/evolution-du-reseau-routier-national-par-region-en-km/ - Sikafinance: https://www.sikafinance.com/marches/cameroun-le-reseau-routier-bitume-frole-les-10-000-km-a-fin-2025_62910 - Data-Check, Faktencheck: https://data-check.org/infrastructures-routieres-non-le-cameroun-ne-dispose-pas-de-plus-de-15-000-kilometres-de-routes-bitumees/ - AfDB, Note sur le secteur des transports: https://www.afdb.org/fileadmin/uploads/afdb/Documents/Publications/AfDB_-_Cameroun_-_Note_sur_le_secteur_des_transports.pdf - AfDB, Erschließungsprogramm Ost/Ngoura II-Yokadouma: https://www.afdb.org/fr/documents/cameroun-programme-de-desenclavement-et-de-connectivite-des-bassins-economiques-transfrontaliers-dans-la-region-de-lest-phase-1-amenagement-de-la-route-ngoura-ii-yokadouma-156-km-rapport-devaluation-de-projet KAGEDEV e.V. — Kamerunische Gemeinschaft in Deutschland. Ansprechpartner für dieses Plaidoyer: Arbeitsgruppe Infrastruktur & Entwicklungszusammenarbeit. Kontakt: über die offiziellen Kanäle von KAGEDEV e.V. (kagedev.org). Dieses Dokument dient der politischen Interessenvertretung und stellt keine Rechts- oder Finanzberatung dar. Alle Angaben basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen.