KAGEDEV — Kamerunische Gemeinschaft in Deutschland e.V.
Plaidoyer · InfrastrukturVeröffentlicht

Wasser ist Leben: Für einen gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser im ländlichen Kamerun

Millionen Menschen im ländlichen Kamerun haben noch immer keinen verlässlichen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die kamerunische Diaspora in Deutschland finanziert bereits heute, über private Rücküberweisungen, Brunnen und Wasserprojekte in ihren Herkunftsdörfern. KAGEDEV fordert eine transparente, koordinierte und nachhaltige Wasserversorgungspolitik, die diese privaten Anstrengungen ergänzt statt sie zu ersetzen — mit klarer Rechenschaftspflicht für internationale Finanzierungen.

Veröffentlicht am 13. September 2026Als PDF herunterladen

Auf einen Blick

  • Nur 71 % der kamerunischen Bevölkerung haben Zugang zu grundlegenden Wasserdiensten — im ländlichen Raum liegt die Lücke noch deutlich höher.
  • Die Diaspora finanziert bereits heute eigenständig Brunnenprojekte in ihren Herkunftsdörfern — dieses Engagement verdient Anerkennung und bessere Koordination.
  • Das 950-Millionen-Dollar-Wassersicherheitsprogramm der Weltbank muss transparent und mit klarer Priorität für den ländlichen Raum umgesetzt werden.
  • Kamerun liegt weit von seinem eigenen Ziel entfernt, bis 2030 77 % Zugang zu Trinkwasser im ländlichen Raum zu erreichen.
  • Sauberes Wasser ist ein Menschenrecht — die deutsch-kamerunische Zusammenarbeit sollte diesen Sektor stärker unterstützen.

Zahlen im Überblick

71 % — Zugang zu grundlegenden Wasserdiensten in Kamerun (2024)
Quelle: Weltbank
37.783 — erfasste Wasserbauwerke landesweit
Quelle: CAMWATER/pS-Eau
77 % / 56 % — nationale Zielvorgaben 2030 für Wasser- bzw. Sanitärzugang im ländlichen Raum
Quelle: JMP/SDG6
950 Mio. US-Dollar — Weltbank-Wassersicherheitsprogramm über 11 Jahre (2025–2036)
Quelle: World Bank, Pressemitteilung Mai 2025

Worum geht es?

Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist eine Grundvoraussetzung für Gesundheit, Bildung und wirtschaftliche Entwicklung. In Kamerun bleibt dieser Zugang trotz erheblicher natürlicher Wasserressourcen des Landes ungleich verteilt: Städtische Zentren werden von CAMWATER versorgt, doch weite Teile des ländlichen Raums sind auf informelle, oft unzuverlässige oder gesundheitlich riskante Wasserquellen angewiesen. Das Thema betrifft nicht nur die Wasserversorgung an sich, sondern auch die Frage, wer die notwendigen Infrastrukturen finanziert, betreibt und instand hält — und wie transparent diese Mittel eingesetzt werden.

Wen betrifft es?

- Familien und Gemeinschaften im ländlichen Kamerun, insbesondere Frauen und Kinder, die traditionell für das Wasserholen zuständig sind - Landwirtschaftliche Betriebe, deren Produktivität von verlässlicher Wasserversorgung abhängt - Gesundheitseinrichtungen in ländlichen Gebieten, die ohne sauberes Wasser grundlegende Hygienestandards nicht gewährleisten können - Die kamerunische Diaspora in Deutschland, die durch private Rücküberweisungen bereits eigene Brunnenprojekte in ihren Herkunftsregionen mitfinanziert - Kommende Generationen, deren Entwicklungschancen unmittelbar an die Verfügbarkeit sauberen Wassers gekoppelt sind

Was zeigen die Daten?

- Der Zugang zu grundlegenden Wasserdiensten lag 2024 bei 71 % (Weltbank; Zuverlässigkeit mittel-hoch, Primärquelle sollte noch bestätigt werden) - Landesweit wurden 37.783 Wasserbauwerke erfasst: 25.044 handbetriebene Bohrbrunnen, 2.434 Standrohre/Zapfstellen und 8.432 moderne Brunnen (CAMWATER/pS-Eau; Zuverlässigkeit mittel) - Die nationalen Ziele für 2030 sehen 77 % Zugang zu Trinkwasser und 56 % Zugang zu Sanitärversorgung im ländlichen Raum vor — aktuell liegt das Land weit von diesen Zielwerten entfernt (JMP/SDG6; Zuverlässigkeit mittel) - Die Weltbank hat ein Wassersicherheitsprogramm mit einem Gesamtvolumen von 950 Millionen US-Dollar über 11 Jahre (Mai 2025 – Mai 2036) aufgelegt; die erste Phase wurde im Mai 2025 genehmigt (Zuverlässigkeit hoch, offizielle Pressemitteilung der Weltbank) Wichtiger Vorbehalt: Es liegt derzeit keine verlässliche und aktuell datierte Zahl vor, die den Zugang zu Wasser eindeutig zwischen ländlichen und städtischen Gebieten für ein einzelnes rezentes Jahr aufschlüsselt. Diese Differenzierung sollte vor einer definitiven Zitierung anhand des JMP-Berichts oder des kamerunischen Statistikinstituts (INS) überprüft werden.

Warum besteht Handlungsbedarf?

Der Rückstand bei der Wasserversorgung im ländlichen Raum bremst die wirtschaftliche und soziale Entwicklung ganzer Regionen. Solange die nationalen Ziele für 2030 (77 % Zugang zu Trinkwasser im ländlichen Raum) in weiter Ferne liegen, bleiben grundlegende Menschenrechte — der Zugang zu sauberem Wasser gilt völkerrechtlich als Menschenrecht — für Millionen Menschen unerfüllt. Gleichzeitig zeigen Spannungen um Tarifentscheidungen von CAMWATER, dass Finanzierungs- und Steuerungsfragen des Sektors politisch und sozial hochsensibel sind. Ohne koordinierte, transparente Anstrengungen bleibt die Lücke zwischen städtischer und ländlicher Versorgung bestehen. Der Zugang zu sauberem Wasser und sanitärer Grundversorgung ist von den Vereinten Nationen als Menschenrecht anerkannt und ist Gegenstand des Nachhaltigkeitsziels 6 (SDG6) der Agenda 2030. Kamerun hat sich eigene nationale Zielvorgaben gesetzt (77 % ländlicher Zugang zu Trinkwasser, 56 % zu Sanitärversorgung bis 2030). Die Umsetzung liegt in der Zuständigkeit des Ministeriums für Wasser und Energie (MINEE) sowie des seit 2018 tätigen öffentlichen Betreibers CAMWATER, dessen Mandat sich vorrangig auf städtische und semi-urbane Gebiete konzentriert.

Was muss sich ändern?

  1. Transparenz über die Verwendung der Mittel aus dem 950-Millionen-Dollar-Wassersicherheitsprogramm der Weltbank, mit öffentlich zugänglicher Berichterstattung über Fortschritte im ländlichen Raum
  2. Priorisierung des ländlichen Raums in der nationalen Wasserstrategie, um die Zielvorgabe von 77 % Zugang bis 2030 realistisch zu erreichen
  3. Anerkennung und Einbindung der von der Diaspora finanzierten Brunnenprojekte in offizielle nationale Wasserversorgungsstrategien, um Doppelstrukturen zu vermeiden und Wirkung zu maximieren
  4. Prüfung einer verstärkten deutschen Entwicklungszusammenarbeit (GIZ/KfW) im kamerunischen Wassersektor, analog zu bestehendem Engagement in anderen Infrastrukturbereichen
  5. Verlässliche, unabhängige Datenerhebung zur Aufschlüsselung des Wasserzugangs zwischen städtischen und ländlichen Gebieten, um evidenzbasierte Politik zu ermöglichen

An wen richten sich unsere Forderungen?

Unsere Forderungen richten sich an die folgenden Entscheidungsträger: das MINEE (Ministère de l'Eau et de l'Énergie), das die politische Aufsicht über den Sektor innehat; CAMWATER, den öffentlichen Betreiber der städtischen und semi-urbanen Wasserversorgung seit 2018; die kamerunische Regierung, zuständig für Tarifpolitik und Sektorreformen; die Weltbank, die das 950-Millionen-Dollar-Programm zur Wassersicherheit finanziert und CAMWATER-Reformen begleitet; sowie die Agence Française de Développement (AFD). Eine mögliche Beteiligung deutscher Institutionen (GIZ/KfW) im Wassersektor ist durch diese Recherche nicht bestätigt und müsste separat verifiziert werden, bevor sie öffentlich behauptet wird.

Was kann kurzfristig geschehen?

Kurzfristig können Sie sich über bestehende Wasserprojekte in Ihrer Herkunftsregion informieren und diese gezielt und koordiniert unterstützen. Sprechen Sie mit deutschen Bundestagsabgeordneten und Vertretern der Entwicklungszusammenarbeit über eine mögliche Verstärkung des deutschen Engagements im kamerunischen Wassersektor. Teilen Sie dieses Plaidoyer in Ihrem Netzwerk, um das Bewusstsein für die Wasserproblematik im ländlichen Kamerun zu schärfen. Nehmen Sie an KAGEDEV-Veranstaltungen zum Thema Entwicklungszusammenarbeit teil. Kontaktieren Sie KAGEDEV, wenn Sie an einem eigenen Wasserprojekt beteiligt sind — gemeinsam lässt sich mehr Wirkung erzielen.

Was ist langfristig nötig?

Die für 2025 angelaufene erste Phase des Weltbank-Wassersicherheitsprogramms bietet eine Gelegenheit, den Rückstand im ländlichen Raum entschlossen anzugehen — vorausgesetzt, die Umsetzung erfolgt transparent und mit klarer Priorisierung der am stärksten benachteiligten Gebiete. KAGEDEV wird die Entwicklung dieses Programms sowie mögliche neue Formen der deutsch-kamerunischen Zusammenarbeit im Wassersektor weiter aufmerksam verfolgen und Aktualisierungen dieses Plaidoyers vornehmen, sobald verlässlichere Daten vorliegen.

Wie messen wir Fortschritt?

  • Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu grundlegenden Wasserdiensten (Basis: 71 %, 2024)
  • Anzahl erfasster Wasserbauwerke im ländlichen Raum (Basis: 37.783 landesweit)
  • Fortschritt gegenüber der nationalen 2030-Zielvorgabe von 77 % Zugang zu Trinkwasser im ländlichen Raum
  • Transparenz und Fortschrittsberichterstattung zum 950-Millionen-Dollar-Weltbank-Wassersicherheitsprogramm (2025–2036)

Unsere Haltung

KAGEDEV vertritt keine Partei und keine politische Richtung. Unsere Forderungen stützen sich ausschließlich auf öffentlich zugängliche, nach Möglichkeit mehrfach bestätigte Daten und Quellen. Wo die Datenlage unsicher oder unzureichend differenziert ist, benennen wir dies ausdrücklich, statt unbelegte Behauptungen zu verbreiten.

Dialog und Zusammenarbeit

KAGEDEV beobachtet seit Langem, dass Mitglieder der kamerunischen Diaspora in Deutschland auf eigene Initiative und mit eigenen Mitteln Brunnenbau- und Wasserprojekte in ihren Herkunftsdörfern unterstützen. Dieses private Engagement ist ein wichtiger, oft unterschätzter Beitrag zur ländlichen Wasserversorgung. KAGEDEV setzt sich dafür ein, dass dieses Engagement künftig besser mit öffentlichen und internationalen Programmen koordiniert wird, und beobachtet die Entwicklung der Weltbank-finanzierten Reformen aufmerksam. Wir sind offen für den Austausch mit MINEE, CAMWATER, der Weltbank und der AFD sowie mit deutschen Entwicklungsakteuren, um dieses Engagement besser einzubinden.

Quellen und Methodik

- Investir au Cameroun: https://www.investiraucameroun.com/gestion-publique/1501-21565-eau-potable-camwater-dement-un-bras-de-fer-avec-la-banque-mondiale-autour-de-la-hausse-de-ses-tarifs-en-2025 - Programme Solidarité Eau: https://www.pseau.org/pays/cameroun/ - World Bank, Pressemitteilung Mai 2025: https://www.worldbank.org/en/news/press-release/2025/05/08/world-bank-approves-first-phase-in-a-holistic-approach-to-addressing-water-security-in-cameroon - SDG6 Data Cameroon: https://www.sdg6data.org/en/country-or-area/Cameroon - UNICEF DATA, JMP-Bericht 2023: https://data.unicef.org/resources/jmp-report-2023/ - CAMWATER-Blog 2024: https://blog.camwater.cm/2024/02/05/alimentation-en-eau-potable-les-chantiers-de-la-camwater-en-2024/ KAGEDEV e.V. — Kamerunische Gemeinschaft in Deutschland. Ansprechpartner für dieses Plaidoyer: Arbeitsgruppe Infrastruktur & Entwicklungszusammenarbeit. Kontakt: über die offiziellen Kanäle von KAGEDEV e.V. (kagedev.org). Dieses Dokument dient der politischen Interessenvertretung und stellt keine Rechts- oder Finanzberatung dar. Alle Angaben basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen.