Extreme Lebensbedingungen
3 Plaidoyers zu diesem Thema, mit konkreten, überprüfbaren Forderungen an die zuständigen Institutionen.
Vergessene Vertreibung: Wie Kamerun Binnenvertriebenen eine Zukunft geben kann — und wie Deutschland dabei helfen sollte
Kamerun durchlebt gleichzeitig drei humanitäre Krisen: den anglophonen Konflikt im Nordwesten und Südwesten, die Auswirkungen des Konflikts um den Tschadsee im äußersten Norden und die Aufnahme zentralafrikanischer Geflüchteter im Osten. Nach Angaben von OCHA und IOM waren im August 2025 rund 969.000 Menschen im eigenen Land vertrieben, hinzu kommen etwa 791.000 Rückkehrer/innen und 426.000 Geflüchtete. Der humanitäre Gesamtbedarf für 2025 wird auf 3,3 bis 3,4 Millionen Menschen geschätzt. Viele Betroffene leben seit Jahren in provisorischen Verhältnissen, oft bei überlasteten Aufnahmefamilien. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit engagiert sich bereits konkret über ein GIZ/UNHCR-Programm zur sozioökonomischen Inklusion Vertriebener im Westen Kameruns. KAGEDEV, die kamerunische Gemeinschaft in Deutschland, fordert eine Verstärkung dieses Engagements sowie eine stärkere Berücksichtigung der Vertreibungsproblematik im deutsch-kamerunischen Dialog.
Zentrale Forderungen
- Verstärkung der deutschen Finanzierung von Programmen zur sozioökonomischen Inklusion Binnenvertriebener in Kamerun, aufbauend auf dem bestehenden GIZ/UNHCR/MINDDEVEL-Programm.
- Stärkere Berücksichtigung der Vertreibungsproblematik im politischen Dialog zwischen Deutschland und Kamerun, einschließlich der Frage nach sicheren und freiwilligen Rückkehrmöglichkeiten.
Hunger im Schatten des Konflikts: Warum der äußerste Norden Kameruns mehr Unterstützung braucht
Der äußerste Norden Kameruns zählt zu den ärmsten Regionen des Landes und leidet zusätzlich unter den Folgen des Boko-Haram-Konflikts. Für 2025 wird von 2,6 Millionen Menschen mit akuter Ernährungsunsicherheit in ganz Kamerun ausgegangen, davon über 1,2 Millionen allein im äußersten Norden — ein Anstieg von 6% gegenüber dem Vorjahr. Schätzungen zufolge sind mehrere Hunderttausend Kinder von Mangelernährung betroffen, ein erheblicher Teil davon schwer. Gleichzeitig kürzt das Welternährungsprogramm aufgrund sinkender internationaler Finanzierung seine Hilfe. KAGEDEV, die kamerunische Gemeinschaft in Deutschland, fordert, dass Deutschland sein bestehendes Engagement für ländliche Entwicklung und Ernährungssicherheit in der Region aufrechterhält und verstärkt, um den Rückzug anderer Geber teilweise aufzufangen und eine Generation von Kindern zu schützen.
Zentrale Forderungen
- Aufrechterhaltung und Verstärkung der deutschen Finanzierung für Ernährungssicherheit und ländliche Entwicklung im äußersten Norden Kameruns, um den Rückzug anderer Geber teilweise auszugleichen.
- Gezielte Unterstützung von Programmen zur Behandlung und Prävention akuter und chronischer Mangelernährung bei Kindern unter fünf Jahren.
Sauberes Wasser für alle: Die ländlichen Regionen Kameruns dürfen nicht zurückbleiben
In Kamerun bestehen erhebliche Unterschiede beim Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung zwischen Stadt und Land. Während 82% der Stadtbevölkerung Zugang zu sauberem Wasser haben, sind es auf dem Land nur 52%. Bei sanitärer Grundversorgung ist die Kluft mit 58% zu 22% noch größer. Am stärksten betroffen sind die Regionen Norden, äußerster Norden, Adamaoua, Nordwesten, Südwesten und Osten — dieselben Regionen, die zugleich von Vertreibung und Ernährungsunsicherheit betroffen sind. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit engagiert sich bereits konkret über das GIZ-Programm „Eau de bonne qualité, accessible à tous". KAGEDEV, die kamerunische Gemeinschaft in Deutschland, fordert den Ausbau dieses Programms sowie eine bessere Koordination mit den Dorfbrunnen-Projekten, die viele Diaspora-Familien bereits heute informell finanzieren.
Zentrale Forderungen
- Ausbau des bestehenden GIZ-Programms „Eau de bonne qualité, accessible à tous" mit Priorität für die am stärksten unterversorgten ländlichen Regionen.
- Gezielte Berücksichtigung der Regionen Norden, äußerster Norden, Adamaoua, Nordwesten, Südwesten und Osten, die zugleich von Vertreibung und Ernährungsunsicherheit betroffen sind.
