Sauberes Wasser für alle: Die ländlichen Regionen Kameruns dürfen nicht zurückbleiben
Während 82% der Stadtbevölkerung Kameruns Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, sind es auf dem Land nur 52%. Bei der sanitären Grundversorgung ist die Kluft noch größer. Betroffen sind vor allem die Regionen Norden, äußerster Norden, Adamaoua, Nordwesten, Südwesten und Osten — dieselben Regionen, die zugleich von Vertreibung und Ernährungsunsicherheit betroffen sind. KAGEDEV fordert eine Verstärkung des bestehenden deutschen Wasserprogramms in Kamerun sowie eine bessere Koordination mit den Dorfbrunnen-Projekten, die die Diaspora bereits heute informell finanziert.
Auf einen Blick
- Nur 52% der ländlichen Bevölkerung Kameruns haben Zugang zu sauberem Trinkwasser, gegenüber 82% in Städten.
- Bei sanitärer Grundversorgung ist die Stadt-Land-Kluft noch größer (58% vs. 22%).
- Die betroffenen Regionen überschneiden sich mit denen von Vertreibung und Hunger.
- Deutschland hat mit dem GIZ-Wasserprogramm bereits eine direkte Verbindung zu diesem Thema.
- Die Diaspora finanziert bereits informell Dorfbrunnen — eine bessere Koordination würde die Wirkung erhöhen.
Zahlen im Überblick
- 70% nationaler Zugang zu sauberem Trinkwasser (82% urban / 52% ländlich)
- Quelle: UNICEF/JMP
- 43% nationaler Zugang zu sanitärer Grundversorgung (58% urban / 22% ländlich)
- Quelle: UNICEF/JMP
- ~5,5% offene Defäkation, v.a. in ländlichen Gebieten
- Quelle: UNICEF/JMP
- 6 besonders betroffene Regionen: Norden, äußerster Norden, Adamaoua, Nordwesten, Südwesten, Osten
- Quelle: JMP/SDG6-Daten, sekundäre Zusammenstellung
Worum geht es?
Der Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung (WASH — Water, Sanitation and Hygiene) ist eine grundlegende Voraussetzung für Gesundheit, Bildung und wirtschaftliche Entwicklung. In Kamerun bestehen dabei erhebliche Unterschiede zwischen Stadt und Land. Diese Ungleichheit konzentriert sich geografisch weitgehend auf dieselben Regionen, die bereits durch Vertreibung (siehe T15-A) und Ernährungsunsicherheit (siehe T15-B) belastet sind — WASH-Defizite sind jedoch ein eigenständiges strukturelles Problem, das nicht allein durch Konflikt oder Armut erklärt wird, sondern auf fehlende Basisinfrastruktur zurückgeht.
Wen betrifft es?
Betroffen ist vor allem die ländliche Bevölkerung in den Regionen Norden, äußerster Norden, Adamaoua, Nordwesten, Südwesten und Osten Kameruns. Innerhalb dieser Bevölkerung tragen Frauen und Mädchen, die in vielen Haushalten für das Wasserholen zuständig sind, sowie Kinder, deren Gesundheit und Schulbesuch direkt von der Wasser- und Sanitärversorgung abhängen, die größte Last. Für die kamerunische Diaspora in Deutschland ist dies ein besonders naher Themenbereich: Viele KAGEDEV-Mitglieder finanzieren bereits heute informell Dorfbrunnen oder ähnliche Projekte in ihren Herkunftsdörfern.
Was zeigen die Daten?
Nach Angaben von UNICEF Kamerun und dem Joint Monitoring Programme (JMP) von UNICEF/WHO haben landesweit 70% der Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser, mit einer deutlichen Kluft zwischen städtischen Gebieten (82%) und ländlichen Gebieten (52%) (Fiabilität: gut, institutionelle Quelle). Bei der sanitären Grundversorgung liegt der nationale Zugang bei 43%, mit 58% in städtischen und nur 22% in ländlichen Gebieten. Offene Defäkation betrifft schätzungsweise 5,5% der Bevölkerung und konzentriert sich fast ausschließlich auf ländliche Gebiete. Als am stärksten betroffene Regionen gelten Norden, äußerster Norden, Adamaoua, Nordwesten, Südwesten und Osten (Quelle: JMP/SDG6-Daten, Fiabilität: mittel bis gut; die konkrete regionale Formulierung stammt aus einer sekundären Zusammenstellung von sdg6data.org und sollte vor einer endgültigen Veröffentlichung anhand der JMP/UNICEF-WHO-Primärquelle nochmals verifiziert werden).
Warum besteht Handlungsbedarf?
Fehlender Zugang zu sauberem Wasser und sanitärer Grundversorgung ist eine der Hauptursachen für vermeidbare Krankheiten, insbesondere bei Kindern, und beeinträchtigt den Schulbesuch von Mädchen unmittelbar. Die Konzentration der Defizite in denselben Regionen, die bereits durch Vertreibung und Ernährungsunsicherheit belastet sind, verstärkt die Verwundbarkeit dieser Gebiete zusätzlich. Investitionen in WASH-Infrastruktur zählen zu den kosteneffizientesten Maßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit und wirken sich direkt auf Gesundheit, Bildung und wirtschaftliche Teilhabe aus.
Was muss sich ändern?
- Ausbau des bestehenden GIZ-Programms „Eau de bonne qualité, accessible à tous" mit Priorität für die am stärksten unterversorgten ländlichen Regionen.
- Gezielte Berücksichtigung der Regionen Norden, äußerster Norden, Adamaoua, Nordwesten, Südwesten und Osten, die zugleich von Vertreibung und Ernährungsunsicherheit betroffen sind.
- Schaffung von Möglichkeiten zur besseren Koordination zwischen offiziellen WASH-Programmen und informellen, von der Diaspora finanzierten Dorfprojekten.
- Besondere Berücksichtigung der Auswirkungen auf Mädchenbildung bei der Planung sanitärer Infrastruktur in Schulen.
- Verifizierung und regelmäßige Aktualisierung der regionalen WASH-Daten anhand von JMP/UNICEF-WHO-Primärquellen, um Investitionsentscheidungen zu unterstützen.
An wen richten sich unsere Forderungen?
Das Menschenrecht auf sauberes Trinkwasser und sanitäre Grundversorgung wurde von den Vereinten Nationen ausdrücklich anerkannt und ist zugleich Bestandteil des Nachhaltigkeitsziels 6 (SDG 6) der Agenda 2030, zu deren Umsetzung sich Kamerun verpflichtet hat. National liegt die Zuständigkeit beim Wasserministerium (MINEE). International engagiert sich UNICEF Kamerun im Bereich WASH. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterhält mit dem GIZ-Programm „Eau de bonne qualité, accessible à tous" (Sauberes Wasser für alle) ein direktes und dokumentiertes Engagement in diesem Bereich — eine der konkretesten Verbindungen zwischen deutscher Kooperation und den hier behandelten Themen. Auf kamerunischer Seite richten sich unsere Forderungen an: das Wasserministerium (MINEE). International an: UNICEF Kamerun im Bereich WASH. Auf deutscher Seite an: die GIZ mit ihrem spezifischen Wasserprogramm in Kamerun, das bereits eine etablierte Struktur für eine Verstärkung des Engagements bietet.
Was kann kurzfristig geschehen?
Informieren Sie sich über das GIZ-Wasserprogramm in Kamerun und über die Arbeit von UNICEF im WASH-Bereich. Wenn Sie oder Ihre Familie bereits ein Dorfbrunnen- oder Wasserprojekt unterstützen: Teilen Sie diese Erfahrung mit KAGEDEV, um eine bessere Vernetzung mit institutionellen Programmen zu ermöglichen. Sprechen Sie das Thema Wasserzugang gegenüber Ihren politischen Vertreterinnen und Vertretern an. Unterstützen Sie die Advocacy-Arbeit von KAGEDEV.
Was ist langfristig nötig?
Der Zugang zu sauberem Wasser und sanitärer Grundversorgung ist eine der greifbarsten Verbindungen zwischen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und den Lebensbedingungen in den Herkunftsregionen der kamerunischen Diaspora. Das bestehende GIZ-Programm bietet eine solide Grundlage, die durch gezielten Ausbau und bessere Koordination mit der informell bereits aktiven Diaspora deutlich mehr Wirkung entfalten könnte. KAGEDEV setzt sich dafür ein, diese Chance zu nutzen.
Wie messen wir Fortschritt?
- Anteil der ländlichen Bevölkerung mit Zugang zu sauberem Trinkwasser (Basis: 52%)
- Anteil der ländlichen Bevölkerung mit Zugang zu sanitärer Grundversorgung (Basis: 22%)
- Anteil offener Defäkation in ländlichen Gebieten (Basis: ca. 5,5%)
- Umfang und regionale Ausrichtung des GIZ-Programms „Eau de bonne qualité, accessible à tous"
Unsere Haltung
KAGEDEV vertritt keine Partei und keine politische Richtung. Dieses Dokument dient der politischen Interessenvertretung (Advocacy). Die regionale Zuordnung der WASH-Daten stammt teilweise aus einer sekundären Quelle und sollte vor abschließender Veröffentlichung anhand der JMP/UNICEF-WHO-Primärquelle verifiziert werden.
Dialog und Zusammenarbeit
Innerhalb der KAGEDEV-Gemeinschaft finanzieren einzelne Mitglieder und Familienverbände bereits heute informell Brunnenbau- oder Wasserprojekte in ihren Herkunftsdörfern. Der Verein selbst hat diese Initiativen bislang nicht systematisch koordiniert oder mit institutionellen Programmen wie dem GIZ-Wasserprogramm verknüpft. Dieses Plaidoyer schlägt eine solche Koordination als neuen, konkreten Ansatzpunkt vor.
