KAGEDEV — Kamerunische Gemeinschaft in Deutschland e.V.
Plaidoyer · KulturVeröffentlicht

Zugang kamerunischer Künstlerinnen und Forscherinnen zu Kulturvisa nach Deutschland

Ein Team kamerunischer Forschender wurde 2022 von einer Münchner Kulturinstitution eingeladen, Flüge und Hotels waren gebucht. Die deutsche Botschaft in Jaunde lehnte die Visa dennoch ab. KAGEDEV fordert ein nachvollziehbares, schnelleres Verfahren für kulturelle und wissenschaftliche Einladungen.

Stand: 2026-09-13Als PDF herunterladen

Auf einen Blick

  • Eine bestätigte Einladung mit gebuchten Reisen hat 2022 nicht vor einer Visaablehnung geschützt.
  • Kamerun hatte 2016 eine Ablehnungsquote von fast 37 Prozent, weit über dem weltweiten Durchschnitt.
  • Wartezeiten von über sechs Monaten für einen Termin in Jaunde wurden gemeldet.
  • Ein europäisches Kulturvisum existiert bislang nicht, jeder Fall wird einzeln geprüft.
  • Der Bundestag hat das Thema aufgegriffen, eine strukturelle Reform fehlt noch.

Zahlen im Überblick

36,98 Prozent Visa-Ablehnungsquote für Kamerun (2016), gegenüber 6,71 Prozent weltweit
Über 6 Monate gemeldete Wartezeit für einen Termin an der Botschaft Jaunde (~2018)
14,8 Prozent weltweite Schengen-Ablehnungsquote (2024, allgemeiner Kontext)
~45 Prozent Ablehnungsquote in den zehn afrikanischen Ländern mit den höchsten Werten (2023)

Worum geht es?

Dokumentierter Fall Januar 2022: Visa abgelehnt trotz bestätigter Einladung, Begründung "mangelnde Rückkehrbereitschaft" (Bundestag-Verfahren DIP, Drucksachennummer nicht unabhängig bestätigt). Ältere Bundestagsauswertung (Drucksache 19/4172, 06.09.2018): Ablehnungsquote Kamerun 2016 = 36,98% vs. weltweit 6,71% (ALT, nicht als aktuell darstellen). Wartezeit Jaunde >6 Monate gemeldet (~2018).

Wen betrifft es?

Kamerunische Künstlerinnen, Künstler, Forschende mit Einladungen nach Deutschland; einladende deutsche Kulturinstitutionen; kamerunische Diaspora in Deutschland.

Was zeigen die Daten?

Schengen-Kontext (nicht kamerunspezifisch): 14,8% weltweite Ablehnungsquote (2024), afrikanische Antragsteller 2x häufiger abgelehnt als asiatische (14 Prozentpunkte, 2023), Top-10-Länder Afrika ~45% (2023); Henley & Partners, regional aggregiert, nicht kamerunspezifisch.

Warum besteht Handlungsbedarf?

Eine bestätigte institutionelle Einladung mit gebuchten Reisen schützt nicht vor Ablehnung. Wartezeiten >6 Monate schließen kurzfristige/saisonale Einladungen faktisch aus, unabhängig vom Ausgang.

Was muss sich ändern?

  1. AA/Botschaft Jaunde: Ablehnungspraxis "mangelnde Rückkehrbereitschaft" bei dokumentierten Kultureinladungen überprüfen binnen 12 Monaten.
  2. AA: zusätzliche Terminkapazitäten Jaunde binnen 18 Monaten, Ziel <3 Monate Wartezeit.
  3. AA/BMI + anerkannte Institutionen: Pilotverfahren mit verkürzter Bearbeitungszeit, 24-Monats-Pilotphase.
  4. Bundestag: vertiefte Anfrage zu aktuellen, nach Kamerun aufgeschlüsselten Zahlen, nächste Sitzungsperiode.
  5. AA/Botschaft Jaunde: feste Kontaktstelle für Rückfragen einladender Institutionen/KAGEDEV binnen 12 Monaten.

An wen richten sich unsere Forderungen?

Auswärtiges Amt, Botschaft Jaunde, Bundestag, BMI, einladende Kulturinstitutionen.

Was kann kurzfristig geschehen?

Interne Überprüfung der Ablehnungsbegründung; Pilotverfahren mit begrenzter Zahl anerkannter Institutionen; Bundestag fordert aktuelle Zahlen an.

Was ist langfristig nötig?

Verfahren, das kulturelle/wissenschaftliche Einladungen anders behandelt als touristische Anträge, mit nachvollziehbaren Kriterien statt pauschaler Vermutung.

Wie messen wir Fortschritt?

  • Aktualisierte Ablehnungsquote Kamerun
  • durchschnittliche Wartezeit Jaunde
  • Anträge im Pilotverfahren
  • Existenz Kontaktstelle
  • Antwort der Bundesregierung auf Anfrage

Unsere Haltung

Wir stellen die Notwendigkeit einer Prüfung nicht infrage. Was wir hinterfragen, ist eine Praxis, bei der eine bestätigte Einladung nicht ausreicht, um eine pauschale Ablehnung zu vermeiden.

Dialog und Zusammenarbeit

Bereits auf Bundestagsebene angesprochen, keine strukturelle Reform bekannt. Noch keine direkte Konsultation mit KAGEDEV dokumentiert.

Quellen und Methodik

Bundestag DIP (Fall 2022), Drucksache 19/4172 (2018), Henley & Partners (Schengen-Kontext, allgemein).