Sicherheit und Konflikt
3 Plaidoyers zu diesem Thema, mit konkreten, überprüfbaren Forderungen an die zuständigen Institutionen.
Kamerun im Schatten der anglophonen Krise: Humanitäre Not in den Nord-West- und Süd-West-Regionen erfordert nachhaltige internationale Unterstützung
Seit 2017 erschüttert ein bewaffneter Konflikt die anglophonen Regionen Kameruns, Nord-West und Süd-West. Über 580.000 Menschen sind innerhalb Kameruns vertrieben, mehr als 76.000 weitere haben im Nachbarland Nigeria Zuflucht gesucht. Landesweit benötigen 2025 rund 3,3 Millionen Menschen humanitäre Hilfe, während über 2,5 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sind — ein Anstieg von 9% gegenüber 2023. Besonders alarmierend: Fast 15.000 Schulen bleiben in den betroffenen Regionen geschlossen, wodurch Millionen Kinder ihr Recht auf Bildung verlieren. Gleichzeitig sinkt die internationale Finanzierung dramatisch, da die USA ihren Beitrag von rund 50% auf unter 8% reduziert haben. Die Europäische Union wird damit zum wichtigsten humanitären Geber. KAGEDEV, die Kamerunische Gemeinschaft in Deutschland, ruft — ohne jede politische Positionierung — zu verstärktem humanitärem Engagement auf: Schutz der Zivilbevölkerung, gesicherter Zugang zu Hilfe und nachhaltige internationale Finanzierung.
Zentrale Forderungen
- Aufrechterhaltung und Ausweitung der humanitären Finanzierung durch die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten, einschließlich Deutschland, um die durch den Rückzug anderer Geber entstandene Lücke zu schließen.
- Uneingeschränkter humanitärer Zugang für internationale und lokale Hilfsorganisationen zu allen betroffenen Gebieten in Nord-West und Süd-West.
Vergessene Krise im hohen Norden: Die humanitären Folgen des Boko Haram/ISWAP-Konflikts in Kamerun brauchen erneute Aufmerksamkeit
Seit über zehn Jahren ist die Region Extrême-Nord Kameruns von den Auswirkungen des Boko Haram/ISWAP-Aufstands betroffen. Die zuverlässigsten verfügbaren detaillierten Daten stammen aus dem Jahr 2022, als bereits über 385.000 Binnenvertriebene registriert wurden — eine Zahl, die seither jährlich um schätzungsweise 2% weiter angestiegen sein dürfte. Auch 2024 und 2025 belegen dokumentierte Vorfälle, darunter ein Angriff auf eine Militärbasis im März 2025 mit 12 getöteten Soldaten sowie mindestens 29 Angriffe auf Handelskonvois, dass die Krise fortbesteht. KAGEDEV weist ausdrücklich darauf hin, dass die Datenlage dringend aktualisiert werden müsste, um das tatsächliche humanitäre Ausmaß zu erfassen. Der Verein fordert, ohne jede Positionierung zu den beteiligten bewaffneten Gruppen, den Schutz der Zivilbevölkerung, die Sicherung der Handelswege und eine verlässliche internationale Unterstützung für die betroffenen Gemeinden im hohen Norden Kameruns.
Zentrale Forderungen
- Aktualisierung der humanitären Datenerhebung für die Region Extrême-Nord durch OCHA, IOM und weitere zuständige Organisationen, um die Lage seit 2022 verlässlich abzubilden.
- Schutz der Zivilbevölkerung vor Übergriffen durch bewaffnete Gruppen sowie Wahrung menschenrechtlicher Standards bei Sicherheitsoperationen.
Sechs Jahre nach dem Grand Dialogue National: Warum ein wirklich inklusiver Dialogprozess in Kamerun noch aussteht
2019 rief Präsident Biya den Grand Dialogue National ins Leben, um einen Ausweg aus der anglophonen Krise zu finden. Mit über 1.000 Teilnehmenden war es der bislang größte Dialogversuch — doch die wichtigsten separatistischen Führungsfiguren boykottierten den Prozess, und eine neutrale externe Vermittlung fehlte. Zwar wurden ein Dezentralisierungsgesetz, ein Sonderstatus für die anglophonen Regionen und Regionalwahlen 2020 umgesetzt, doch der bewaffnete Konflikt hält bis heute an, mit anhaltend hoher humanitärer Not (siehe unser Plaidoyer zur anglophonen Krise). KAGEDEV analysiert diesen Prozess ausschließlich aus einer strukturellen Perspektive — Inklusivität, Vermittlung, Transparenz — und bezieht keine Position zu den politischen Streitfragen selbst. Der Verein fordert die Wiederaufnahme eines wirklich inklusiven Dialogs mit neutraler Vermittlungsinstanz und eine unabhängige Überprüfung der bisherigen Umsetzung.
Zentrale Forderungen
- Wiederaufnahme eines inklusiven Dialogprozesses, der alle relevanten zivilgesellschaftlichen und politischen Akteure einbezieht — ohne dass sich KAGEDEV zur inhaltlichen Ausrichtung (Föderalismus, Sonderstatus, andere Modelle) positioniert.
- Einbindung einer neutralen dritten Vermittlungsinstanz, um die Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit künftiger Dialoginitiativen zu stärken.
